Name: föfö
Datum: 15. Mai
Ort: Bern-Hyeres-Bern
Kilometer: 2772 km
Kilometer: Total 5847 km
Durchschnittsverbrauch: mit 5.7 Litern sehr niedrig
Besonderes: ein Supertourer!
Am Pfingstwochenende gab es für unsere Dauertestmaschine 1400GTR zum Härtetest: in fünf Tagen musste sie über 2500 km leisten - und dies bei heissesten Temperaturen.
Angemietet war mit Kumpels eine Villa in Hyeres, Südfrankreich. Während die anderen Surfen gingen, forderte föfö die GTR etwas: schlottern auf dem Col de la Cayolle, Bruthitze in der Gorge du Verdon, Stau in St.Tropez.
In der Gorge du Verdon:

Bevor wir ins Detail gehen, nur soviel: die GTR meisterte alle ihr gestellten Herausforderungen souverän, nie liess sie mich im Stich...und obwohl ich nicht unbedingt ein Tourerfan bin, habe ich den Supertourer richtig liebgewonnen. Ausserdem kann ich Entwarnung geben: der Motor der GTR erreichte selbst bei 30 Grad, im zweiten Gang und im Stau niemals Höchsttempertur. Und durch Aufpumpen der Pneus um fast 0.5 Bar (vorne nun 3.0 Bar, hinten bei Beladung 3.1 Bar) konnte meiner Meinung nach auch das von Dänu und Tobias registrierte schwerfällige Handling und das Austellmoment beim Bremsen in Schräglage beseitigt werden.
In der Nähe von Digne-les-Bains:
Hier in Kürze die letzten Erkenntnisse, die ich nach 2700 Kilometern Fahrt mit der GTR gewonnen habe:
Top:
Fahrwerk: Das eigentliche Sahnestück der GTR. Topstabil auf der Autobahn (gäbe es keinen Gegenwind, könnte man bei Tempo 150 sogar noch SMSlen....), aber auch Kurvengeil bis zum Abwinken. Man würde es nicht für möglich halten, dass sich 320 Kilogramm Lebendgewicht so leicht durch die Kurven werfen lassen. Obwohl die Federelemente (insbesondere die Gabel) sehr auf Komfort getrimmt sind und man kleine Schlaglöcher wenig merkt - gibt einem das Fahrwerk in der Kurve doch gute Rückmeldungen über den Fahrbahnzustand.
Komfort: der Sitz ist superbequem, die Scheibe mit ihren elektrischen Verstellmöglichkeiten ein Hit: bei Hitze fährt man sie runter und lässt die Luft an den Oberkörper gelangen, bei Regen, Kälte und Autobahn fährt man sie wieder hoch.
Bremsen: Für einen Schwergewichts-Tourer sind das richtig bissige "Sportbremsen". Das ankert perfekt und ist dank ABS richtig sicher (und dass das ABS funktioniert, weiss ich nun nach einer Begegnung mit einem Auto, das mir den Vortritt genommen hat, auch...)
Cockpitanzeigen: Reifendruck, Ganganzeige, Restreichweite, Batterieladezustand, Verbrauchswerte total und aktuell.....die GTR ist ein rollender Computer und glänzt mit bestem Infotainment.
Aussenspiegel: "man sieht nur die Koffer" - schrieb eine grosse deutsche Motorradzeitschrift. Das stimmt. Die sieht man. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Rückansicht. Die GTR liefert eine Spitzensicht nach hinten!
Verbrauch: für einen so grossen Tourer sind 5.6 Liter Durschnittsverbrauch ausgezeichnet. Und Leute, glaubt mir - ich habe die GTR zum Teil sehr zackig die Pässe hochgeprügelt. Nur bei vollem Autobahntempo jenseits von 140 km/h fängt sie an zu saufen: 6.5 Liter braucht sie dann.
Licht: Superhell. Und macht, von vorne gesehen, richtig Eindruck und verschafft Respekt.
Nicht so gut:
Motor: Wirkt unterhalb von 4000 Touren schlapp. Für einen 1400er muss, will man auf kurzen Strecken wirkungsvoll überholen, eifrig das Getriebe gerührt werden. In der Gorge du Verdon war ich gar ständig im 2ten Gang unterwegs, um die lästigen Camper überholen zu können. Dreht man die GTR allerdings auf 5000 Touren, explodiert sie förmlich - so schnell geht das dann voran. Dann kommt keiner der akutellen Konkurrenten mehr mit.
Lage des Gangfusshebels: etwas zu flach, so dass das Schalten mit der Zeit den Fuss ermüdet. Der Hebel müsste etwas steiler unten angebracht sein.
Breite: "c'est une barque! " rief mir ein französischer Motorradfahrer zu, als er meine Wendemanöver mitansah. Das stimmt. Die GTR killt einfach jegliche Spontanität - Stauschlängeln geht nur mit sehr viel Vorsicht und beim Parkieren muss man immer aufpassen, dass man nichts touchiert.
Motorluft: die GTR bläst einem, trotz Motorluftabweiser, viel heisse Luft an die Schienbeine. Das ist sehr angenehm bei kalten Temperaturen - und unangenehm bei heissen Temperaturen und im Stau.
Auf dem Col de la Cayolle (2300 Meter über Meer) liegt im Mai anscheinend noch eine Menge Schnee:
So stellen wir uns das Mittagessen vor: am Strand von Port Grimaud (bei St. Tropez):
Da runterfahren? Nie im Leben. Da hinten ist die Hölle: Blitz, Donner, Regen. Ich kehre sofort um und fahre zurück in den Luberon.