- Name föfö
- Datum 28. Juli 2008
- Ort Bern-Davos-Maloja-Chiavenna-Splügen-Davos-Oberalppass-Furkapass-Grimsel-Bern
- Kilometer rund 1000 Kilometer
- Kilometer Total rund 15'200 Kilometer
- Durchschnittsverbrauch rund 5.5 Liter (Autobahn: 5 Liter, Passtrasse 5.7 Liter)
- Besonderes: GTR wird über enge Pässe gescheucht
Übers Wochenende ging es mit der GTR in den Kanton Graubünden. Die Anfahrt am Freitag war allerdings mies: Fast 30 Grad im Schatten...und extrem viel Verkehr auf der Autobahn. Zweimal kam ich auf der Autobahn komplett zum Stillstand, beim zweiten Mal musste ich gar eine Vollbremsung vollbringen, um nicht ins Stauende hineinzudonnern. Irgendwo an einer Autobahnraststätte mache ich dann kurz Halt. Flüssigkeit rein, GTR in den Schatten. Von den Ausmassen her ist die GTR im Raum "Lastwagenparkplätze" ja gut aufgehoben:
Weil ich wusste, dass das Nadelöhr Zürich am Freitagabend alles andere als schnelle Fortbewegung garantiert, wich ich über Luzern aus. Ziel: über den Hirzel. Doch schon auf der Autobahn in Richtung Zug lässt mich ein Schild wissen, dass der Hirzel "gesperrt" sei. Ja, da bauen sie auch seit Ewigkeiten...
Also weiter in Richtung Schwyz, um via Rothenturm retour auf die Autobahn zu kommen. Doch auch da wird gebaut, im Raum Sattel geht es nur einspurig voran. Mindestens eine halbe Stunde im Stau steht man da...würde man da stehen...wenn man nicht so frech wäre, mit dem Töff bis ganz an die Stauspitze zu donnern. Mach ich. Eine halbe Stunde in der prallen Sonne im Vollleder - da kannst du nachher deinem Gehirn "ade" wünschen....
Bei der Autobahnraststätte Glarnerland treffe ich Edi, gemeinsam geht es in Richtung Davos. Edis Auspuffröhre ziert ein dämlicher Kleber: I love my CO2...eines Tages schlitzt ihm mit so einem Kleber irgendein Grüner wohl den Reifen auf...
Dass wir inzwischen in der Gipfelregion sind, merkt man an diesem Kleber, den wir bei einem Kaffee-Halt in Schiers entdecken: Zur Gipfelregion gehört die Gipfelzeitung.
Am nächsten Tag ist - laut Wetterbericht - Regen und Gewitter angesagt. Wir fahren trotzdem los, in Richtung Engadin. Doch der Albula ist aufgrund dieses komischen Renn-Spektakels "Swiss Alpine Marathon" gesperrt. Ein paar dieser eigenartigen Läufer sehen wir sogar vom Bike aus. Am Abend bringen sie dann in den TV-Nachrichten einen Bericht dazu.
"Gesund sei es auf keinen Fall", berichtet da ein Arzt, weil Distanz und die starken Schläge auf Hüfte und Knie (vom Berg runter wird selbstverständlich auch gerannt) den Körper Schaden zufüngen würden. Aber es gehe eben darum, an die körperlichen Leistungsgrenzen zu kommen. Na toll. Schlage vor, dass jeder der Läufer einhundert Liegestütze macht - da erreicht er die körperlichen Leistungsgrenzen dann auch ziemlich schnell...
Also Julier. Oje...und das an einem Samstag! Bis zum Marmorerasee geht es noch verhältnismässig gut. Kurzer Stopp beim Cafe und Blick über den See. Wie wir ja alle wissen, beherbert der See wie der See am Reschenpass ein ganzes Dorf. Das rätoromanische Dorf fiel dem steigenden Wasser (nach dem Bau der Staumauer) zum Opfer. Irgendwer hat mir mal erzählt, dass früher wie am Reschenpass noch der Kirchturm aus dem Wasser geguckt habe. Da seien dann immer ehemalige Dorfbewohner rausgerudert und nicht immer zurückgekehrt. Also hätte man den Kirchturm irgendwann gesprengt. Ob das stimmt, oder nur eine Schauermär ist, kann ich nicht beurteilen.

Weiter oben am Pass wird dann allerdings mühsam: Reisebusse, unglaulich viele Autos und Strassenarbeiten mit Signallichtern. Die Strasse ist auf grosser Länge aufgerissen, Kies liegt herum. Stop and go. Ich habe Mühe, die grosse GTR auf Kurs zu halten - und gleichzeitig an der Staukolonne vorbeizuschlüpfen. Allerdings geht es nicht nur mir so - ein Harley-Pilot mit überbreiten Reifen vor mir schwankt auch bedenklich. Und ein Streeftfighterpilot stoppt in einem Kiesloch - die Traktion beim Start ist dementsprechend schlecht....
Einen längeren Stopp gibt es dann am Silvaplanersee bei den Surfern...oder besser bei den Surfanfängern. Es hat kaum Wind, und darum planschen nur die Anfänger herum. Den Spot kann ich übrigens bestens zum Töffhalt empfehlen: viele Parkplätze, schöne Aussicht auf den See, ein grosszügiges Kaffee in der Nähe...
Auf dem Malojapass wird getankt - in Italien ist das Benzin ja furchtbar teuer. Obwohl der Malojapass, von Maloja her kommend, seinen Namen ja nicht verdient, sollte man sich den Ausblick aufs Bergell trotzdem gönnen:
Und interessieren natürlich diese Kehren hier:

In schönen, aber nicht besonders schnellen Schüngen geht es nach unten. Es wird immer wärmer. Mittagszeit. Hunger. In Promotogno kenne ich ein tolles Restaurant - und genau dorthin fahren wir jetzt auch.
Das "Hotel Bregalia" ist nicht nur eine Augenweide - man isst dort auch ausgezeichnet zu relativ günstigen Preisen. Zum Beispiel die "Spaghetti Bregalia" - mit frischen Tomaten zubereitet. Mmmmm....
Gut ist in der Gegend nicht nur das Essen und die Hotels, sondern auch die naturbelassene Landschaft weiss zu begeistern. Hier der leichte Teleschuss vom Gebirge...ideal zum Klettern und Wandern...
Auf der Hauptstrasse geht es weiter in Richtung Süden. Aber das kleine Bergkaff Soglio können wir uns nicht verkneifen. Hier zwei Fotos aus dem Dorf:
Furchtbar enge Gassen hat das Dörfchen. Da würde die GTR nur mit Müh und Not durchpassen. Ich frage mich wirklich, warum die die Häuser so eng zusammengebaut haben. Ich sehe da nur Nachteile (Transportwege, überspringen von Flammen bei einem Hausbrand, Nachbar sitzt einem praktsich ständig auf der Pelle etc...).

Von Chiavenna in Italien sehen wir nicht viel - man kann gleich am Ortsanfang schon in Richtung Splügenpass davonziehen. Und dieser verd... Splügenpass hat es dann in sich. Vor allem diese Stelle hier:
Wo....der echte GTR-Horror. Diese verflixte Strasse ist extrem eng, steil und voller Schlaglöcher. Dazu kommt von oben ständig ein Gegenverkehrsstrom. Zuerst probiere ich es auf die "italienische Art" - ausholen, als ob einem die Strasse gehören würde. Doch ruckzuck bin ich da im Gegenverkehr drin. Also doch langsam rumzirkeln- bei 320 Kilogramm und Kurvensteilheit keine einfache Sache. Edi hat hinten mit seiner 600er-Hornet hingegen kaum Probleme....was wieder einmal die unterschiedlichen Motorradkonzepte aufzeigt. Gut, diese paar Splügenkurven sind wirklich extrem - aber eine GTR ist auf der Flachstrecke einfach besser aufgehoben als hier im Gebirge...
Beim Stausee oben wird die Strasse dann wieder besser und breiter. Trotzdem braucht die GTR und ich nun eine Pause. Ich benötige Wasser - habe ich mich doch hochgeschwitzt. Und die GTR braucht 'ne Kupplungspause...aus der stinkt es nämlich gewaltig (viele Kurven gingen, man glaubt es kaum bei 1400 ccm, nur im ersten Gang).
Lago di Montespluga:
Die Nordseite des Splügenpasses ist dann allerdings ein Klacks - um die Kurve rumbremsen und wieder Gas...
Erreicht ihr dann das Hinterrheintal bei Splügen, ist es schlauer, die alte Kantonsstrasse anstatt der Autobahn zu nehmen. Sie ist nämlich wunderbar kurvig und nur noch schwach befahren. Ausserdem gibt es hier allerhand zu sehen. Beispielsweise die Hänge-Brücke am River Kwai:

Oder natürlich die Via Mala. Anfangs wollten wir da sogar runtersteigen, um die düstere Schlucht zu besichtigen. Der erste Blick sieht so aus:
Doch der zweite Blick offenbart, dass es da endlos runtergeht. In voller Lederkluft bei circa 25 Grad? Ohne mich.
Doch wo ist der blöder Hinterrhein? Er ist von der Oberkante der Schlucht kaum zu entdecken:
Erst als wir ein Stück runterspazieren, ist die Schlucht in voller Pracht zu sehen. Man bemerke auch die winzige Brücke (siehe Pfeil).

Wer genau hinschaut, kann am unterne Brückenkopf auch noch Teile der alten Via Mala-Brücke entdecken. Und wenn man noch genauer hinschaut, sieht man, dass die alte Brücke aus einzelnen, kleinen Steinen besteht - die wurde also in mühseligster Arbeit hier hochgemauert. Die Mauerer hingen dabei viele, viele Meter über der tosenden Schlucht. Laut Wikipedia wurde einer der ersten Wege durch die Viamala ums 15te Jahrhundert errichet. Unser Brückenpfeiler hier links stammt wohl von 1820.
Beim Parkplatz treffe ich dann noch auf einen Engländer und dessen Fireblade. Junge, Junge, der hat aber auch einen langen Weg hinter sich. Und gerade das bequemste Bike hat er sich für seinen langen Trip auch nicht aussgesucht:
Am Sonntag geht es schliesslich von Davos aus in die Versamer Schlucht. Diese erreicht ihr, wenn ihr von Bonaduz aus Richtung Versam/Ilanz fährt - allerdings auf der linken Seite des Vorderrheins und nicht auf der rechten (dort ist die Hauptstrasse).
Wunderschön dann der Blick dem Vorderrheintal entlang:
Auch die alte Strasse hat es in sich. Aber Gas geben wäre hier viel zu schade. Besser man nimmt sich Zeit und schaut sich die Schlucht - durch die sich das Wasser in Jahrmillionen durchgegraben hat - genauer an. Und was das Gletscherwasser damals nicht erledigt hat, erledigt heute die Errosion.
Auf den Oberalppass geht es dann zackiger, als ich es geplant hatte. Eigentlich wollte ich ganz gemütlich da hochtuckern....doch schliesslich hänge ich mich doch an ein paar andere Motorradfahrer ran. Die GTR ist zwar kein Racebike...doch wenn man sie eifrig schaltet, kommt sie ganz gut voran. Auch die Kurvenbreite ist hier kein Thema: anders als am südlichen Splügen hat es immer genug Platz für das Dickschiff GTR. Hier da Foto vom Oberalppass mit dem Passsee:
In Andermatt wollte ich eigentlich zu Mittag essen. Doch dort ist ein solcher Trubel mit Touristen, Touristenbussen, Motorräder etc, dass ich nach Hospental weiterziehe. Schön, dass sie Hospentaler auch die alten Brücken stehenlassen. Über die links zogen wohl Jahrhundertelang die Säumer.

Im Gasthaus St.Gotthard finde ich ein gutes Plätzchen.
Interessant ist dieser Satz hier auf der Wand des Gasthauses:
Und auch dieser Ring hier an der Hauswand zeugt davon, dass hier früher die Motorräder des 18ten Jahrhunderts angebunden wurden - Pferde:
Während der gemeine Soldat wohl vor 200 Jahren im Zelt oder unter freiem Himmel übernachtete, genoss General Suworow in diesem Gasthaus beste Bedienung. Recht hat er...irgendeinen Grund muss es ja schliesslich geben, warum man General werden will. Ich dachte bisher immer, dass man die Bleispritze nicht mehr herumtragen muss, sei Grund genug "weiterzumachen"...aber so ein feines Hotel hat natürlich auch seine guten Seiten. In der Schöllenschlucht bekam der General dann übrigens nochmal "eins kräftig aufs Dach" von den Franzosen, ebenso in der Innerschweiz.
Was der Gereral damals wohl ass? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, was ich zu Essen bekam: eine feine Sennenrösti:
Mit dem Wirt komme ich ein wenig ins Plaudern. Ob Hospental denn im allgemeinen für die Ferienresort-Überbauung des Ägypters Sawiris sei. Sie seien zum grössten Teil dafür, meint er. Und erklärt mir, dass sie von den paar Kaffees, den die Wanderer (und wohl auch Töfffahrer), die die Leute hier konsumieren würden, nicht leben könnten. Aber das Militär ziehe ab und hinterlasse eine grosse Lücke - diese müsste geschlossen werden, um die Abwanderung zu stoppen.
Das leuchtet mir ein. Andererseits frage ich etwas ketzerisch, was passieren wird, wenn das mit dem Ferienresort ein Reinfall wird. Dann sei die schöne Landschaft verbaut und...doch er kontert gleich: ein paar Bewohner hier oben seien schon in einem der Sawiris-Resorts gewesen - das klappe reibungslos. Ausserdem hätte das Projekt ja zahlreiche Befürworter etc.
Mag alles stimmen. Bin trotzdem skeptisch...schliesslich hatte der Mystery Park in Interlaken auch einmal zahlreiche Befürworter. Und alles nur auf eine Karte zu setzen, birgt das, was man in Aktienkreisen ein "Klumpenrisiko" bezeichnet. Doch wir werden in fünfzehn Jahren ja sehen, was es gebracht hat....
Dann den Furka hoch. Bis zur Mitte geht alles gut. Dann versuchen an einer schmalen Stelle zwei Reisebusse zu kreuzen. Wow...was für ein Spekatakel. 20 Zentimeter vorwärts, zehn Zentimeter zurück. Grosses "Hallo" und Gezettere...wunderbar, wunderbar!
Hinten runter sollte man, kennt man den Furka nicht, etwas verweilen. Der Ausblick in Richtung Gletsch ist spektakulär. Die Gletscher haben sich zwar zurückgezogen. Aber das Panorma ist immer noch einzigartig:
Zügig geht es talwärts und bei Gletsch gleich wieder bergwärts. Über den immer überfüllten Grimsel geht es in Richtung Bern. Der Grimsel-Hospiz ist einer meiner Liebslingsplätze am Grimsel. Doch dieses Mal ist Fahrverbot - sie bauen um. Daher hier nur das Foto vom Grimselsee und der Staumauer.
Letzter Halt wird dann am Brienzersee bei Iseltwald gemacht. Schöner Blick über den See, wenig Verkehr - mein Tipp für einen kurzen Glacé-Halt: