18.9.2008

GTR stellt sich der Goldwing

Von föfö um 16:32 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
gtr gegen godwing
  • Name: Daniel Riesen und föfö
  • Datum: 16.+ 17. August 2008
  • Ort: Französischer Jura
  • Kilometer rund 400 km
  • Kilometer Total 21'500 km
  • Durchschnittsverbrauch  6.5 Liter
  • Besonderes: GTR muss sich in Sachen Komfort der Honda Goldwing geschlagen geben.

Diese Woche hatte unsere Dauertestmaschine Kawasaki 1400GTR einen ganz besonderen Gegner - nämlich eines der schwersten, luxuriösesten, grössten und teueresten Motorräder aller Zeiten: die Honda Goldwing. 1832 ccm Hubraum, 118 PS Power und endlosen Komfort.

Schon auf der Autobahn in Richtung Französische Grenze weiss uns die Honda-Dame mit Luxus und Komfort zu umschmeicheln: Sitz wie eine Wohnzimmer-Ledercouch, Heizgriffe, Sitzheizung vorne und hinten, Radio, integriertes Navi, Windschutz total und eine Federung, die alles, wirklich alles wegbügelt. Fährst du beispielsweise mit der Goldwing über ein Schlagloch, merkst du irgendwie, dass da was war....aber du könntest nicht sagen, ob du jetzt einen Baumstamm oder ein bloss ein kleines Schlagloch überfahren hast. Ok...das ist jetzt etwas übertrieben, aber wir halten fest: das Fahrwerk der Goldwing hat Sänftencharakter.

honda goldwing 

Ganz anders die GTR: im Vergleich mit der Goldwing sitzt es sich auf ihr wie auf einem Hozbrett. Ganz besonders, seit wir auf der GTR den Gelsitz (Zubehör) montiert haben - nimmt man nun auf dem Kawa-Tourer Platz, hat man das Gefühl, als sei der Sitz extrem hart und steif...dass der Gelsitz trotzdem auf jeden Fall ein Kauf ist, merke ich erst im Verlaufe des Tages: der Kontakt zum Motorrad ist viel besser, man fährt "sportlicher". Ausserdem ist er auf die Dauer auch deutlich bequemer: selbst nach 8 stündiger Fahrt schmerzt einem mit der Gelsitz der Hintern deutlich weniger als mit dem Orginalsitz. Also: Seit ihr Kurzenstreckerfahrer (dann seit ihr mit der GTR sowieso falsch beraten), dann ist der Orginalsitz die bessere Wahl. Macht ihr hingegen weite Strecken mit der GTR  (und das ist standesgemäss), dann zahlt ihr lieber den Aufpreis für den Gelsitz, es lohnt sich...

gtr in st.ursanne 

 Die Autobahn-Etappe weiss auf der Goldwing also viel mehr zu gefallen, zumal es am Morgen in der Schweiz noch sehr kühl ist. Doch dann kommen die ersten schmalen Strassen im französischen Jura - und schon wendet sich das Blatt. Die GTR weiss sich hier locker durchzuwedeln, ein Motorrad halt. Ganz anders die Goldwing: die Fussrasten kratzen pausenlos (wenig Schräglage), die Federung ist derart weich, dass man vom Strassenzustand und deren Gefahren kaum mehr etwas mitbekommt. Ganz klar: die Goldwing ist für dieses Terrain nicht gemacht, hier gewinnt die GTR haushoch.

Mehr Details zum Charkter und zum Vergleich des Luxustourers gegen den Sporttourer gibt es im Heft MOTO SPORT SCHWEIZ, Nummer 20.

Hier noch ein paar Detailfotos:

Kawasaki 1400GTR:

Haben wir bisher noch gar nicht bemerkt: Dreht man nur den Zündschlüssel, ohne zu starten, gibt die GTR nur ein schwaches Standlicht von sich. Das ist clever - es spart beim Startvorgang nämlich massiv Strom.

 

Erst nach dem Starten schaltet sich dann das Volllicht zu.

 

Die Koffer mit den herausnehmbaren Seitentaschen funktionierten nach wie vor perfekt. Auch nach über 20'000 Kilometer ist die Mechanik einwandfrei.

 

Honda Goldwing:

Gut gemacht: das Topcase der Goldwing lässt wie eine Autohecktür mit einem Handgriff öffnnen.

 

Und ist eine Klappe offen, meldet die Goldwing dass pflichteifrig nach vorne ins Cockpit:

 

Und natürlich will einem die Goldwing auch mit Routeninfos füttern. Doch leider ist das Navi so eingebettet, dass die Sonne meistens hineinblendet und man nichts ablesen kann.

 

Auch der Radio funktioniert einwandfrei. Ob man wirklich die Gegend beschallen will, ist wohl Geschmackssache...

 

Seitenschalter. Hier lässt sich sogar das Fahrwerk auf die Gewichtsverhältnisse einstellen.

 

Unglaublich viele Knöpfe am linken Seitenspoiler. Blöd: der Warnblinkschalter war genau auf der Höhe meines Knies. Bei jedem grossen Schlagloch löste ich ihn unabsichtlich aus.

 

 

 


04.9.2008

Die GTR schafft die 100 Pässe

Von föfö um 13:45 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 karte schweiz mit pässen

(Alle 100 Pässe der MSS-Pässefahrt. Draufklicken zum Downloaden (PdF))

 

  • Name: Daniel Riesen
  • Datum: 22. - 29. August 2008
  • Ort: Bern + 100 Schweizer Pässe
  • Kilometer rund 3600 km
  • Kilometer Total 20'650 km
  • Durchschnittsverbrauch  5.86 Liter
  • Besonderes: GTR schafft 100 Schweizer Pässe in einer Woche

Epischer Kampf

In einem epischen 8-Tages-Kampf hat unsere Saisontest-Maschine die hundert Pässe besiegt, welche zum Wettbewerb von MOTO SPORT SCHWEIZ zählen. Mit Start und Ankunft in der Region Bern brachte der Kawasaki-Supertourer den Autor dieser Zeilen komfortabel und zügig über die Runden.

Wie in der Sänfte..

In der Sintflut von Grimsel, Gotthard und Nufenen hielten die Koffer dicht, auf den kurzen Autobahnabschnitten hielt die hohe Zubehör-Scheibe den Wind wirkungsvoll ab, gäbs einen Tempomat, der Pilot wäre friedlich eingeschlafen. Die Pässe hoch und runter war an Schlaf hingegen nicht zu denken. Auf den grosszügigen Strassen zeigte sich die GTR in ihrem Element. Dank aktiver Sitzposition mit relativ weit hinten platzierten Rasten, gutem Maschinenkontakt und dem bissig hochdrehenden Vierzylinder wandelt sich der Tourer am Berg zum Sportler.

Am Albula:

am albulapass 

Tourer hat schon etwas Kilos..

Werden die Bögen dann aber eng und der Belag schlecht, wird das Gewicht des vollverschalten Tourers spürbar. Die Lenkung benötigt zwar nicht übermässig Kraftaufwand, erfordert aber in Spitzkehren eine feste, laufend etwas nachkorrigierende Hand. Deswegen und aufgrund der etwas verzögerten Gasannahme bleibt man gern mit dem Fuss auf der Hinterbremse, um die Fuhre mit gleichzeitig leichtem Gas zu stabilisieren.

Auch Schotterpässe gibt es in der Schweiz noch: weimal Croix-de-Coeur:

croix de coeur 

croix de coeur

Fieser Weiderost

Nichts mehr zu stabilisieren gab es beim Überfahren eines besonders fiesen Weiderostes am Hongrin. Das Auge genoss bereits die tolle Aussicht auf den Genfersee, als zack, das Vorderrad wegrutschte. Der Autor fluchte über die eigene Blödheit, stemmt die Maschine wieder in die Vertikale und überlegte sich parallel bereits, wie hoch wohl der Selbstbehalt liegt. Denn natürlich reicht auch ein Umfaller im Schritttempo, um Verschalung, Rückspiegel und Koffer zu vermöbeln…

Superaussicht. Davor der blöde Weidrost:

lac de hongrin


 Gute Wahl Zubehör-Sitzbank

Als gute Wahl hat sich auf den bis über 500 km langen Tagesetappen die straffe Zubehör-Sitzbank erwiesen. Die Gel-gestützte Polsterung mag auf der ersten Stunde noch als zu hart empfunden werden, mit den vielen Stunden im Sattel erweist sich aber genau diese Straffheit als Wohltat.

 Mächtige Bremsen

Ein Genuss ist die mächtige Bremsanlage der 1400er. Eine Zweifingerbremse mit sofortigem Biss und doch schöner, kontrollierbarer Progression. Auch bergab hat man nie das Gefühl, der Strassenkreuzer gleite einem aus den Händen.

Geringer Durchschnittsverbrauch

Im hitzigen Kurvengefecht kommt einem ausserdem die Rutschkupplung zu Hilfe. Da in engen Kehren der 1. Gang die richtige Wahl ist, hilft der Rückdrehmomentbegrenzer wirkungsvoll, das Hinterrad ohne Feinarbeit mit der Kupplung im Drehen zu halten.
Die Gruppe von neun Pässefahrer inklusive Guide Felix Wittwer hat sich weitestgehend an die Tempolimits gehalten. Der Lohn ist unter anderem ein Durchschnitts-Verbrauch von unter 6 Litern, beachtlich für eine Maschine dieses Kalibers und dieser Fahrleistungen.
A ja, man vergisst es beinahe zu erwähnen: Pannen technischer Natur gabs keine, inzwischen läuft die Kawasaki 1400 GTR bereits seit gut 20'000 km ohne Mucken. Auch schön!

Blick ins GTR-Cockpit: 999 km Reichweite???

 verbrauch gtr 2

Blick ins GTR-Cockpit II: 2.5 Liter Verbrauch auf 100km? Wohl nur ausgekuppelt abwärts möglich....

 

 

Wer die 100 Pässetour mit Felix Wittwer nachfahren will, klickt hier

Wer sich fürs MSS-Pässefahrn interessiert, klickt hier

 

Auf dem Oberalppass:

oberalppass

Auf dem Stoss-Pass (Achtung nicht zu verwechseln mit dem Stoos in der Innerschweiz...)

stoos 


25.8.2008

GTR bei Extremtests

Von föfö um 18:08 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 

  • Name: Daniel Riesen
  • Datum: 20. August 2008
  • Ort: Bern-Interlaken-Bern + Testfahrt
  • Kilometer rund 150 km
  • Kilometer Total 17'000 km
  • Durchschnittsverbrauch  vermutlich extrem hoch
  • Besonderes: GTR macht massive Beschleunigungstests mit

 Abgehoben

Auf dem ausgemusterten Militärflugplatz von Interlaken erlebte unsere Saisontest-Maschine wieder mal was Neues. Sie wurde gefordert. Nicht nur ein bisschen, sondern aufs Äusserste. Nur so kann man ermitteln, was ein Fahrzeug kann. Und darum gings: Messungen von Beschleunigung, Durchzug und Bremsweg. In Interlaken sind unsere Kollegen von der Automobil Revue (AR) regelmässig am Werk, für uns von MSS wars eine Premiere.

Porsche 911 meets Kawasaki GTR1400. Im Hintergrund der glücklose Mystery Park:

911 versus GTR1400 

Die Prozedur verlief ohne Zwischenfälle. Testchef Riesen entspannte sich beim Fotografieren, die Arbeit überlies er Grenzbereichs-Mann Kloetzli. Beim Start von 0 auf 100 brauchte es natürlich ein paar Versuche. Wieviel Gas und wie schnelles Einkuppeln sind optimal?

Kupplung schlezen oder kommen lassen?

Lässt man die Kupplung einfach schnalzen, geht die Kawasaki 1400 GTR ganz normal aufs Hinterrad, kuppelt man zu vorsichtig ein, verliert man auf den ersten Metern zu viel. Durchzugsmessungen sind problemlos und für die GPS-basierte Messung auch fehlerfrei zu erkennen. Beschleunigen und Bremsen stellt höhere Anforderungen an die Messgenauigkeit, die Resultate müssen erst noch ermittelt werden. Kloetzlis Eindruck beim Bremsen: „Gut vorbereitet und auf gutem Asphalt wie hier könnt ichs besser als das relativ früh lösende ABS.“

44 Meter Bremsweg


Ein erstes Auslesen des Bremswegs, noch nicht bestätigt, ergab 44 m für die Entschleunigung von 100 auf 0 km/h. Daneben massen die AR-Kollegen einen 911er Porsche mit 33 Metern. Oder anders gesagt: Bremsen beide zugleich, ist der Töff noch mit rund 50 km/h unterwegs, wenn der Sportwagen schon steht! Also, liebe Leute, an der Ampel ledern wir die Vierrädrigen dank geringen Gewichts ab, doch beim Bremsen sollten wir uns keinesfalls auf ein Duell einlassen. Auch mickrige Kleinwage bremsen locker auf 36 bis 38 Metern!

Das kommt davon, wenn man dem Stöff-Schergen Tobias die GTR überlässt. Die wenigsten GTRs werden wohl so gefahren:


gtr1400 beim wheelen  


15.8.2008

Gel-Sitz für die GTR

Von föfö um 14:04 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name föfö/Daniel Riesen
  • Datum 15. August 2008
  • Ort: Härkingen-Bern
  • Kilometer rund 100 km
  • Kilometer Total 16'800 km
  • Durchschnittsverbrauch  nicht geachtet
  • Besonderes: GTR bekommt einen neuen Hinterreifen und einen Gel-Sitz.
We were born ready for touring: GTR-Fahrer Rolf Lüthi (links) und Daniel Riesen (rechts):

kawasaki GTR
Neuer Hinterreifen: wieder Pirelli

Wie im letzten Blog vermeldet, fuhr sich unser Infobox-Chef Rolf Lüthi einen Nagel ein. Erneut betraf es den Hinterreifen - ein Ersatz also musste her. Da unser Testreifen Pirelli Diablo Strada vorne noch kaum Verschleisserscheinung zeigt (kein Wunder, er ist ja gerade mal 2500 km "alt" - und damit für GTR-Verhältnisse so gut wie noch "jungfräulich"), war es für uns klar, nur den Hinterreifen auszuwechseln und bei dem gleichen Produkt zu bleiben. Die GTR rollt also nach wie vor auf Pirellis durchs Land.

Der neue Gelsitz wird abgetastet...doch, doch, der ist härter....:

gelsitzbank 

Neuer Gel-Sitz

Ebenfalls ausgewechselt wurde die Sitzbank - dies auf Wunsch zahlreicher Redaktoren. Dänu bemäkelte, dass der Orginalsitz etwas gar breit geraten sei. Er wünschte sich einen schmaleren Sitz, um auf der nicht gerade niedrigen GTR (Sitzhöhe orginal: 815 mm) ein besseres Gefühl beim Abstehen/Rangieren zu haben.

föfö wiederum war mit der Sitzhöhe, aber nicht mit dem Sitzkomfort vollkommen zufrieden. Auf Kurz- wie Mittelstrecken war der sehr weiche Sitz die richtige Wahl - doch wenn es weiter in die Ferne ging, mit bis zu 10 Stunden Motorradfahrt pro Tag, dann wurde der Sitz zur Qual: weiche Sitze eignen sich nicht für lange Strecken. Ausserdem gibt auch föfö zu, dass das Gewicht und die Sitzöhe der GTR in sehr engen Kurven schon zum Problem werden können (man lese den Blog übers Pässegewirr). Wer dann blitzschnell abstehen muss, ist um jeden gewonnen Zentimeter froh.

Kurzum: da Kawasaki in seinem reichhaltigen Zubehörprogramm zur GTR (hier klicken für Link) eine Gel-Sitzbank im Angebot hat, wurde diese neu verbaut.

Sieht nach Qualität aus: Gelsitzbank aus der Nähe:

gel-sitzbank 

Kawasaki schreibt dazu: "Im Vergleich zur Original-Sitzbank ca. 25 mm niedriger und ca. 20 mm schmäler. GEL-Sitzbank sorgt für noch mehr Bequemlichkeit und entspanntes Cruisen! Sie absorbiert Vibrationen und verbessert die Gewichtsverteilung. "

Der Preis: 732.75 Franken

Dänu ist der erste, der die Gel-Sitzbank ausprobiert hat. Sein erstes Fazit: "Um einiges härter als die Orginalsitzbank - aber nicht unbequem. Man spürt deutlich, dass die neue Sitzbank weniger breit und weniger hoch baut."

Und hier nochmals die Orginalsitzbank zum Fotovergleich (GTR in der Provence):

kawasaki 1400GTR 

 


07.8.2008

GTR in Italien, Österreich und Nagel II

Von föfö um 15:09 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 rolf lüthi auf 1400gtr

  • Name Rolf Lüthi
  • Datum 06. August 2008
  • Ort Bern-Oleggio (italien)-Mühlrüti-Österreich-Bern
  • Kilometer rund 1500 km
  • Kilometer Total 16'661 km
  • Durchschnittsverbrauch  rund 5 Liter pro 100 km
  • Besonderes: GTR fährt zum Crossertest und zum Wellnessen nach Österreich - und schlussendlich fährt sich Rolf auch noch einen Nagel ein

 

Anlässlich der Präsentation der neuen Husqvarnas in Oleggio, im Norden Italiens, war die Reihe an mir, die 1400er GTR auszuführen. Eine Fotoausrüstung, das obligate Laptop und eine komplette Offroad-Ausrüstung waren problemlos auf dem Raumgleiter unterzubringen. Wie immer am letzten Drücker fuhr ich los in der Redaktion, die 155 PS der GTR waren fester Bestandteil meines Zeitmanagements.

Dieses wurde allerdings ziemlich über den Haufen geworfen, als der Grimsel wegen eines schweren Unfalles gesperrt war. Ich wählte den Umweg über den Susten, wo sich ein Gewitter entlud, begleitet von sintflutartigem Regenfall. Die zehnjährigen Goretex-Handschuhe, deren Marke mir soeben entfallen ist, sogen sich voll, weshalb ich den Gotthard-Tunnel wählte, um diese wieder zu trocknen. Mit trockenen Handschuhen kam ich just in Time an, um über die neuesten Husqvarnas informiert zu werden.


Pendeln ab 200 km/h

Andertags fuhr ich nach ausgiebigen Testfahrten im Gelände (mit den Enduros von Husqvarna, nicht mit der GTR) gegen Abend los.

Testfahrt mit der Husqvarna (demnächst in MSS):

husqvarna 

 

 Ein kurzes Stück italienischer Autobahn nutzte ich, um festzustellen, dass der beladene Töff ab 200 km/h leicht pendelte. Da müsste man das Fahrwerk einstellen, doch dazu war keine Notwendigkeit mehr in der Schweiz. Über den San Bernadino gelangte ich an meine Homebase in der Ostschweiz.

Den 1. August nutzten wir zu einem privaten Wellness-Wochenende ich Österreich. Meine Maschinenwahl fiel nicht auf  ungeteilte Zustimmung. „Wir hätten so schöne Benzingespräche führen können, und jetzt kommst du mit einem japanischen Töff“, wurde mir vorgeworfen. Tatsächlich war ich zwischen zwei BMW, zwei Ducati und einer KTM der einzige mit einem Töff aus Fernost. In Haarnadelkurven ist die GTR nicht erste Wahl, ansonsten brillierte die GTR, die auch als „fahrende Wohnwand“ bezeichnet wurde, einwandfrei. Auf dem Streckenabschnitt, auf dem mir die Routenwahl anvertraut war, geriet ich ganz unwillkürlich auf eine Schotterstrasse. Hat sich keiner beklagt, dass ich mit der GTR im Wege rumgestanden hätte.  

gtr und bekanntschaft 


Nagel II

Ja, und dann erteilte mir die GTR auch eine Lektion. Ich halte ja nichts von diesem ganzen elektronischen Sicherheits-Scheiss. Wenn man mich gefragt hätte, ich hätte ein System zur Überwachung des Reifenluftdrucks dankend abgelehnt. Und dann zeigte sich im Display der GTR eines morgens die Aufschrift „Reifendruck hinten 200 kpa. Reifendruck hinten nur noch 2 atü“. Ich pumpte an einer Tankstelle und vergas den Vorgang. Bis am nächsten morgen nach der Abfahrt die gleiche Anzeige erschien.

Diesmal pumpte ich nicht nur, ich entdeckte auch den eingefahrenen Nagel auf der Pneulauffläche. Weicheier hätten nun den Töff vom Pannendienst abholen lassen, ich erkannte, dass sich das Sicherheitsfeature „Reifendruck-Anzeige“ dazu missbrauchen liess, um beruhigt ein gewisses Risiko einzugehen: Einfach weiterfahren, Anzeige im Auge behalten. Das tat ich auch einen Tag später, als des Morgens noch ein Restdruck von 1,2 atü angezeigt wurde: Ich eierte zur nächsten Tankstelle, pumpte auf 3 atü, und unter guter Ausnutzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit gelangte ich auf der Autobahn problemlos zum MSS-HQ in Bern. So geht das.            

Anmerkung von föfö:

Das ist nun bereits der zweite Nagel in der Saison. Unsere Vermutung: die GTR ist ein wandelnder Nagelsucher, möglicherweise hat sie einen starken Magneten in den Felgen, so dass jeder Nagel im Umkreis von 20 Kilometern unwillkürlich angezogen wird. 


30.7.2008

Zweite Reifendruckkontrolle

Von föfö um 09:49 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]


tiremoni

 

  • Name Daniel Riesen
  • Datum 30. Juli 2008
  • Ort -
  • Kilometer-
  • Kilometer Total -
  • Durchschnittsverbrauch  -
  • Besonderes: externe Reifendruckkontrolle auf GTR ausprobiert

Stets genügend Druck

Zu wenig Luft ist nicht nur für den Ausdauersportler ein Handicap, sondern auch für Motorradreifen. Zu wenig Luftdruck verschlechtert das Fahrverhalten und lässt die Pneus vorzeitig verschleissen: Sie überhitzen schneller und werden unziemlich durchgewalkt. Wissen wir alle. Doch nicht immer handeln wir danach, haben grad kein Manometer in der Nähe oder vergessen den Check einfach.

Dennoch gibts nur wenige Hersteller, die für einige wenige Modelle eine Reifendruckkontrolle anbieten. Nebst BMW gehört Kawasaki mit der 1400 GTR dazu. Diesen Töff, bei uns als Saisontester im Einsatz, benutzten wir als Referenz für das Zubehörsystem TireMoni 400.

Der TM 400 ist speziell für Motorräder vorgesehen und deckt den Bereich von 0 bis 4 bar ab. Angenehm ist die kinderleichte Handhabung. Man schraubt die Sensoren einfach anstelle der Schutzkappen aufs Ventil, steckt die mitgelieferte Batterie ins Empfangsgerät, schaltet dieses an und ist sofort auf Empfang. Die Kommunikation zwischen Anzeigegerät und Sensoren erfolgt per Funk. Auch wenn das Motorrad noch steht, informiert TireMoni über die Druckverhältnisse, während das von Kawasaki eingebaute Originalsystem mit in den Felgen eingebauten Sensoren dies erst nach einigen hundert Metern Fahrt anzeigt (was indes auch kein wirklicher Nachteil ist).
Laut Anbieter liegt die Messgenauigkeit des TM400 bei 0,05 bar, also weit höher, als in der Praxis je notwendig. Beim Vergleich mit dem Kawa-Sensor zeigte TireMoni jeweils leicht tiefere Druckwerte an, im Bereich von rund einem halben Zehntelbar, also etwa 2,86 anstelle der 2,90 im GTR-Display. So oder so vernachlässigbar.
Die Warnschwellen (der LCD-Monitor vibriert oder piepst) können individuell eingestellt werden.

Während die Montage der Sensoren in Windeseile erledigt ist, braucht es zum Anbringen des mitgelieferten Diebstahlschutzes mittels Kontermutter schon etwas Fingerspitzengefühl oder Übung. Man kann dies aber auch bleiben lassen. Wer, ausser Idioten, wird schon einen solchen Sensor mitgehen lassen, der ohne Empfangsgerät ja sinnlos ist?
Eine interessante Zusatzinformation lässt sich ebenfalls abrufen: TireMoni informiert auch über die Lufttemperatur im Reifen.

Der Preis für das Set beträgt Fr. 269.– . Die Lebensdauer der Sensoren beträgt je nach Kilometerleistung zwischen 2 und 4 Jahren.   

Link: www.tiremoni.ch

Das Reifendruckmessventil wird einfach über die Ventilkappe gedreht - fertig:

reifendruckkontrolle 

 


28.7.2008

Pirelli - erste Meinung

Von föfö um 13:03 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

Tourensportreifen

Wie ja bereits vermeldet, haben wir bei 14'000 Kilometer den Michelin Pilot Road 2 gegen den Pirelli Diablo Strada ausgewechselt. Hier föfös erste Meinung nach 1000 km:

  •  Der Diablos Strada liefert im Trockenen hervorragenden Grip. Was viel Schräglage mit der GTR zulässt. Allerdings sind wir damit noch nicht im Regen gefahren.
  • Kaum Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven
  • Der Reifen, so dünkt es mich, macht die GTR um eine Spur schwerfälliger als der Vorgänger Michelin. Aber die Unterschiede sind marginal.
  • Den Hochgeschwindigkeitsbereich konnten wir bisher nicht ausloten (wäre ja legal nur auf der deutschen Autobahn/Rennstrecke möglich). Bis Tempo 140 auf der Schweizer Autobahn hält er aber absolut stabil und bringt keinerlei Unruhe ins Fahrzeug.
  • An ein paar Orten hatte es Querrillen - auf der Autobahn sogar einmal Längsrillen. Beide hat der Diablo Strada ohne Beanstandung überquert.

GTR im Pässegewirr

Von föfö um 10:12 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name föfö
  • Datum 28. Juli 2008
  • Ort Bern-Davos-Maloja-Chiavenna-Splügen-Davos-Oberalppass-Furkapass-Grimsel-Bern
  • Kilometer  rund 1000 Kilometer
  • Kilometer Total  rund 15'200 Kilometer
  • Durchschnittsverbrauch   rund 5.5 Liter (Autobahn: 5 Liter, Passtrasse 5.7 Liter)
  • Besonderes: GTR wird über enge Pässe gescheucht

Übers Wochenende ging es mit der GTR in den Kanton Graubünden. Die Anfahrt am Freitag war allerdings mies: Fast 30 Grad im Schatten...und extrem viel Verkehr auf der Autobahn. Zweimal kam ich auf der Autobahn komplett zum Stillstand, beim zweiten Mal musste ich gar eine Vollbremsung vollbringen, um nicht ins Stauende hineinzudonnern. Irgendwo an einer Autobahnraststätte mache ich dann kurz Halt. Flüssigkeit rein, GTR in den Schatten. Von den Ausmassen her ist die GTR im Raum "Lastwagenparkplätze" ja gut aufgehoben:

 

Weil ich wusste, dass das Nadelöhr Zürich am Freitagabend alles andere als schnelle Fortbewegung garantiert, wich ich über Luzern aus. Ziel: über den Hirzel. Doch schon auf der Autobahn in Richtung Zug lässt mich ein Schild wissen, dass der Hirzel "gesperrt" sei. Ja, da bauen sie auch seit Ewigkeiten...

Also weiter in Richtung Schwyz, um via Rothenturm retour auf die Autobahn zu kommen. Doch auch da wird gebaut, im Raum Sattel geht es nur einspurig voran. Mindestens eine halbe Stunde im Stau steht man da...würde man da stehen...wenn man nicht so frech wäre, mit dem Töff bis ganz an die Stauspitze zu donnern. Mach ich. Eine halbe Stunde in der prallen Sonne im Vollleder - da kannst du nachher deinem Gehirn "ade" wünschen....

Bei der Autobahnraststätte Glarnerland treffe ich Edi, gemeinsam geht es in Richtung Davos. Edis Auspuffröhre ziert ein dämlicher Kleber: I love my CO2...eines Tages schlitzt ihm mit so einem Kleber irgendein Grüner wohl den Reifen auf...

i love co2 

Dass wir inzwischen in der Gipfelregion sind, merkt man an diesem Kleber, den wir bei einem Kaffee-Halt in Schiers entdecken: Zur Gipfelregion gehört die Gipfelzeitung.

 

Am nächsten Tag ist - laut Wetterbericht - Regen und Gewitter angesagt. Wir fahren trotzdem los, in Richtung Engadin. Doch der Albula ist aufgrund dieses komischen Renn-Spektakels "Swiss Alpine Marathon"  gesperrt. Ein paar dieser eigenartigen Läufer sehen wir sogar vom Bike aus. Am Abend bringen sie dann in den TV-Nachrichten einen Bericht dazu.

"Gesund sei es auf keinen Fall", berichtet da ein Arzt, weil Distanz und die starken Schläge auf Hüfte und Knie (vom Berg runter wird selbstverständlich auch gerannt) den Körper Schaden zufüngen würden. Aber es gehe eben darum, an die körperlichen Leistungsgrenzen zu kommen. Na toll. Schlage vor, dass jeder der Läufer einhundert Liegestütze macht - da erreicht er die körperlichen Leistungsgrenzen dann auch ziemlich schnell...

Also Julier. Oje...und das an einem Samstag! Bis zum Marmorerasee geht es noch verhältnismässig gut. Kurzer Stopp beim Cafe und Blick über den See. Wie wir ja alle wissen, beherbert der See wie der See am Reschenpass ein ganzes Dorf.  Das rätoromanische Dorf fiel dem steigenden Wasser (nach dem Bau der Staumauer) zum Opfer. Irgendwer hat mir mal erzählt, dass früher wie am Reschenpass noch der Kirchturm aus dem Wasser geguckt habe. Da seien dann immer ehemalige Dorfbewohner rausgerudert und nicht immer zurückgekehrt. Also hätte man den Kirchturm irgendwann gesprengt. Ob das stimmt, oder nur eine Schauermär ist, kann ich nicht beurteilen.

 

marmorerasee


Weiter oben am Pass wird dann allerdings mühsam: Reisebusse, unglaulich viele Autos und Strassenarbeiten mit Signallichtern. Die Strasse ist auf grosser Länge aufgerissen, Kies liegt herum. Stop and go. Ich habe Mühe, die grosse GTR auf Kurs zu halten - und gleichzeitig an der Staukolonne vorbeizuschlüpfen. Allerdings geht es nicht nur mir so - ein Harley-Pilot mit überbreiten Reifen vor mir schwankt auch bedenklich. Und ein Streeftfighterpilot stoppt in einem Kiesloch - die Traktion beim Start ist dementsprechend schlecht....

Einen längeren Stopp gibt es dann am Silvaplanersee bei den Surfern...oder besser bei den Surfanfängern. Es hat kaum Wind, und darum planschen nur die Anfänger herum. Den Spot kann ich übrigens bestens zum Töffhalt empfehlen: viele Parkplätze, schöne Aussicht auf den See, ein grosszügiges Kaffee in der Nähe...

silvaplanersee 

Auf dem Malojapass wird getankt - in Italien ist das Benzin ja furchtbar teuer. Obwohl der Malojapass, von Maloja her kommend, seinen Namen ja nicht verdient, sollte man sich den Ausblick aufs Bergell trotzdem gönnen: 

malojapass 

Und interessieren natürlich diese Kehren hier:

 

In schönen, aber nicht besonders schnellen Schüngen geht es nach unten. Es wird immer wärmer. Mittagszeit. Hunger. In Promotogno kenne ich ein tolles Restaurant - und genau dorthin fahren wir jetzt auch.

Das "Hotel Bregalia" ist nicht nur eine Augenweide - man isst dort auch ausgezeichnet zu relativ günstigen Preisen. Zum Beispiel die "Spaghetti Bregalia" - mit frischen Tomaten zubereitet. Mmmmm....

Hotel bregalia 

Gut ist in der Gegend nicht nur das Essen und die Hotels, sondern auch die naturbelassene Landschaft weiss zu begeistern. Hier der leichte Teleschuss vom Gebirge...ideal zum Klettern und Wandern...

Berge bergell 

 Auf der Hauptstrasse geht es weiter in Richtung Süden. Aber das kleine Bergkaff Soglio können wir uns nicht verkneifen. Hier zwei Fotos aus dem Dorf:

soglio 

Furchtbar enge Gassen hat das Dörfchen. Da würde die GTR nur mit Müh und Not durchpassen. Ich frage mich wirklich, warum die die Häuser so eng zusammengebaut haben. Ich sehe da nur Nachteile (Transportwege, überspringen von Flammen bei einem Hausbrand, Nachbar sitzt einem praktsich ständig auf der Pelle etc...).

 soglio

 Von Chiavenna in Italien sehen wir nicht viel - man kann gleich am Ortsanfang schon in Richtung Splügenpass davonziehen. Und dieser verd... Splügenpass hat es dann in sich. Vor allem diese Stelle hier:

 

Wo....der echte GTR-Horror. Diese verflixte Strasse ist extrem eng, steil und voller Schlaglöcher. Dazu kommt von oben ständig ein Gegenverkehrsstrom. Zuerst probiere ich es auf die "italienische Art" - ausholen, als ob einem die Strasse gehören würde. Doch ruckzuck bin ich da im Gegenverkehr drin. Also doch langsam rumzirkeln- bei 320 Kilogramm und Kurvensteilheit keine einfache Sache. Edi hat hinten mit seiner 600er-Hornet hingegen kaum Probleme....was wieder einmal die unterschiedlichen Motorradkonzepte aufzeigt. Gut, diese paar Splügenkurven sind wirklich extrem - aber eine GTR ist auf der Flachstrecke einfach besser aufgehoben als hier im Gebirge...

Beim Stausee oben wird die Strasse dann wieder besser und breiter. Trotzdem braucht die GTR und ich nun eine Pause. Ich benötige Wasser - habe ich mich doch hochgeschwitzt. Und die GTR braucht 'ne Kupplungspause...aus der stinkt es nämlich gewaltig (viele Kurven gingen, man glaubt es kaum bei 1400 ccm, nur im ersten Gang).

Lago di Montespluga:

lago di montespluga 

Die Nordseite des Splügenpasses ist dann allerdings ein Klacks - um die Kurve rumbremsen und wieder Gas...

Erreicht ihr dann das Hinterrheintal bei Splügen, ist es schlauer, die alte Kantonsstrasse anstatt der Autobahn zu nehmen. Sie ist nämlich wunderbar kurvig und nur noch schwach befahren.  Ausserdem gibt es hier allerhand zu sehen. Beispielsweise die Hänge-Brücke am River Kwai:

 

Oder natürlich die Via Mala. Anfangs wollten wir da sogar runtersteigen, um die düstere Schlucht zu besichtigen. Der erste Blick sieht so aus:

via mala  

Doch der zweite Blick offenbart, dass es da endlos runtergeht. In voller Lederkluft bei circa 25 Grad? Ohne mich.

via mala 

Doch wo ist der blöder Hinterrhein? Er ist von der Oberkante der Schlucht kaum zu entdecken:

 

Erst als wir ein Stück runterspazieren, ist die Schlucht in voller Pracht zu sehen. Man bemerke auch die winzige Brücke (siehe Pfeil).

 via mala

 Wer genau hinschaut, kann am unterne Brückenkopf auch noch Teile der alten Via Mala-Brücke entdecken. Und wenn man noch genauer hinschaut, sieht man, dass die alte Brücke aus einzelnen, kleinen Steinen besteht - die wurde also in mühseligster Arbeit hier hochgemauert. Die Mauerer hingen dabei viele, viele Meter über der tosenden Schlucht. Laut Wikipedia wurde einer der ersten Wege durch die Viamala ums 15te Jahrhundert errichet. Unser Brückenpfeiler hier links stammt wohl von 1820.

 

 Beim Parkplatz treffe ich dann noch auf einen Engländer und dessen Fireblade. Junge, Junge, der hat aber auch einen langen Weg hinter sich. Und gerade das bequemste Bike hat er sich für seinen langen Trip auch nicht aussgesucht:

fireblade honda 

Am Sonntag geht es schliesslich von Davos aus in die Versamer Schlucht. Diese erreicht ihr, wenn ihr von Bonaduz aus Richtung Versam/Ilanz fährt - allerdings auf der linken Seite des Vorderrheins und nicht auf der rechten (dort ist die Hauptstrasse).

schlucht versam 

 Wunderschön dann der Blick dem Vorderrheintal entlang:

vorderrheintal 

Auch die alte Strasse hat es in sich. Aber Gas geben wäre hier viel zu schade. Besser man nimmt sich Zeit und schaut sich die Schlucht - durch die sich das Wasser in Jahrmillionen durchgegraben hat - genauer an.  Und was das Gletscherwasser damals nicht erledigt hat, erledigt heute die Errosion.

 

Auf den Oberalppass geht es dann zackiger, als ich es geplant hatte. Eigentlich wollte ich ganz gemütlich da hochtuckern....doch schliesslich hänge ich mich doch an ein paar andere Motorradfahrer ran. Die GTR ist zwar kein Racebike...doch wenn man sie eifrig schaltet, kommt sie ganz gut voran. Auch die Kurvenbreite ist hier kein Thema: anders als am südlichen Splügen hat es immer genug Platz für das Dickschiff GTR. Hier da Foto vom Oberalppass mit dem Passsee:

oberalppass 

In Andermatt wollte ich eigentlich zu Mittag essen. Doch dort ist ein solcher Trubel mit Touristen, Touristenbussen, Motorräder etc, dass ich nach Hospental weiterziehe. Schön, dass sie Hospentaler auch die alten Brücken stehenlassen. Über die links zogen wohl Jahrhundertelang die Säumer.

 


gasthaus st.gotthard

 Im Gasthaus St.Gotthard finde ich ein gutes Plätzchen.

gasthaus st.gotthard 

Interessant ist dieser Satz hier auf der Wand des Gasthauses:

suworow war hier 

Und auch dieser Ring hier an der Hauswand zeugt davon, dass hier früher die Motorräder des 18ten Jahrhunderts angebunden wurden - Pferde:

 

Während der gemeine Soldat wohl vor 200 Jahren im Zelt oder unter freiem Himmel übernachtete, genoss General Suworow in diesem Gasthaus beste Bedienung. Recht hat er...irgendeinen Grund muss es ja schliesslich geben, warum man General werden will. Ich dachte bisher immer, dass man die Bleispritze nicht mehr herumtragen muss, sei Grund genug "weiterzumachen"...aber so ein feines Hotel hat natürlich auch seine guten Seiten. In der Schöllenschlucht bekam der General dann übrigens nochmal "eins kräftig aufs Dach" von den Franzosen, ebenso in der Innerschweiz.

Was der Gereral damals wohl ass? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, was ich zu Essen bekam: eine feine Sennenrösti:

sennenrösti 

 

 Mit dem Wirt komme ich ein wenig ins Plaudern. Ob Hospental denn im allgemeinen für die Ferienresort-Überbauung des Ägypters Sawiris sei. Sie seien zum grössten Teil dafür, meint er. Und erklärt mir, dass sie von den paar Kaffees, den die Wanderer (und wohl auch Töfffahrer), die die Leute hier konsumieren würden, nicht leben könnten. Aber das Militär ziehe ab und hinterlasse eine grosse Lücke - diese müsste geschlossen werden, um die Abwanderung zu stoppen.

Das leuchtet mir ein. Andererseits frage ich etwas ketzerisch, was passieren wird, wenn das mit dem Ferienresort ein Reinfall wird. Dann sei die schöne Landschaft verbaut und...doch er kontert gleich: ein paar Bewohner hier oben seien schon in einem der Sawiris-Resorts gewesen - das klappe reibungslos. Ausserdem hätte das Projekt ja zahlreiche Befürworter etc.

Mag alles stimmen. Bin trotzdem skeptisch...schliesslich hatte der Mystery Park in Interlaken auch einmal zahlreiche Befürworter. Und alles nur auf eine Karte zu setzen, birgt das, was man in Aktienkreisen ein "Klumpenrisiko" bezeichnet. Doch wir werden in fünfzehn Jahren ja sehen, was es gebracht hat....

Dann den Furka hoch. Bis zur Mitte geht alles gut. Dann versuchen an einer schmalen Stelle zwei Reisebusse zu kreuzen. Wow...was für ein Spekatakel. 20 Zentimeter vorwärts, zehn Zentimeter zurück. Grosses "Hallo" und Gezettere...wunderbar, wunderbar!

Hinten runter sollte man, kennt man den Furka nicht, etwas verweilen. Der Ausblick in Richtung Gletsch ist spektakulär. Die Gletscher haben sich zwar zurückgezogen. Aber das Panorma ist immer noch einzigartig:

furka gletsch 

Zügig geht es talwärts und bei Gletsch gleich wieder bergwärts. Über den immer überfüllten Grimsel geht es in Richtung Bern. Der Grimsel-Hospiz ist einer meiner Liebslingsplätze am Grimsel. Doch dieses Mal ist Fahrverbot - sie bauen um. Daher hier nur das Foto vom Grimselsee und der Staumauer.

grimselsee 

Letzter Halt wird dann am Brienzersee bei Iseltwald gemacht. Schöner Blick über den See, wenig Verkehr - mein Tipp für einen kurzen Glacé-Halt:

iseltwald 

 

 

 

 

 


24.7.2008

GTR bekommt neue Reifen

Von föfö um 17:24 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name föfö
  • Datum 24. Juli 2008
  • Ort Bern-Härkingen-Bern
  • Kilometer  rund 130 Kilometer
  • Kilometer Total  rund 14'300 Kilometer
  • Durchschnittsverbrauch   rund 5.5 Liter
  • Besonderes: GTR bekommt vorne und hinten neue Reifen

Gleich vorneweg kann man der Firma Michelin und ihrem Produkt Michelin Pilot Road 2 ein grosses Kompliment machen: die auf der GTR aufgezogenen Michelins harmonierten wunderbar mit der Maschine. Ob Grip im Trocken oder Nassen, schnelle Bremsmanöver, ob Kälte oder Hitze - diese Reifen haben uns nie im Stich gelassen (die Ausnahme, die aber nicht zählt: der Nagel im Hinterreifen, eingefahren irgendwo in der Gegend von Dänemark/Deutschland).

Und die Laufleistung? Die kann sich sehen lassen. Bei rund 6000 Kilometer haben wir Vorderrad/Hinterrad von Bridgestone BT-021 auf Michelin Pilot Road 2 gewechselt - und die Reifen hielten bis jetzt, Kilometerstand 14'300 Kilometer. Es kommt sogar noch besser: der Vorderreifen wurde prophylaktisch gewechselt, da föfö am Wochenende ins Engadin will und Rolf am Montag nach Österreich, dachten wir, es wäre besser, den Reifen frühzeitig zu wechseln. Tatsächlich hat er noch 2.5 mm Profil an der dünnsten Stelle (gemessen mit einer präzisen Schieblehre). Das bedeuted, dass der Vorderreifen noch für rund 1500 Kilometer sicherlich gut gewesen wären (gesetzliches Minimum ist ja mindestens 1.6 mm Profil).

kawasaki gtr michelin 

Macht total für den Pilot Road 2: 9800 Kilometer Laufleistung!!

Jetzt kann man natürlich sagen: der Hinterreifen hätte viel weniger durchgehalten (er wurde beim grossen Service bei 12'000 km wegen eines eingefahrenen Nagels und des daraus resultierenden Luftdruckverlusts gewechselt). Stimmt nicht. Die GTR hat extrem starke Vorrderradbremsen. Daher wird auch der Gummi des Vorderrads viel stärker abgerieben als am Hinterrad - dies zeigte sich zum ersten Mal beim Reifenwechsel bei 6000 km.

Folgerung: der Tourensportreifen Michelin Pilot Road 2 harmoniert wunderbar mit dem schweren Tourenbike Kawasaki 1400GTR und kann deshalb vollumfänglich empfohlen werden.

Neuer Testreifen für die nächsten "Zehntausend":

Pirelli Diablo Strada

Laut früheren Tests der Strada ein sehr ausgewogener, stabiler Tourensportreifen mit viel Grip und einer ausgezeichneten Laufleistung. Genau das brauchen wir auf der GTR. Wir sind gespannt....

pirelli diablo strada 


21.7.2008

Des Wandern ist des Müllers Lust

Von föfö um 09:10 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
adelboden engstligenalpbahn gtr
  • Name föfö
  • Datum 21. Juli 2008
  • Ort Bern-Adelboden
  • Kilometer  rund 150
  • Kilometer Total 14'150 km
  • Durchschnittsverbrauch   nicht geachtet
  • Besonderes: GTR wird zum Wandern missbraucht

Samstag. Bestes Wetter: warm, Sonnenschein. Da könnte man Motorradfahren gehen. Könnte? Tja...am Radio wird gerade erzählt, am Gotthard habe es 12 Kilometer Stau und auch die anderen Achsen seien ziemlich verstopft. Jaja...immer wieder das gleiche Lied. Ferienanfang. Und alles rennt in den Süden. Ob sie erholt retourkommen? Ich habe da meine Zweifel. 

Also umdisponieren. Nix Motorradfahren. Wandern in den Bergen ist angesagt. Für die Anfahrt zum Berg nimmt man normalerweise das Auto oder die Bahn. Mit der Bahn dauert es ewig...und mich in die stickige Blechkabine des Autos hineinzuzwängen habe ich auch keinen Bock. Den Töff zum Wandern nehmen? Bei meiner Bandit geht das ja nicht wirklich...mangels Kofferausstattung. Doch bei der GTR....?

Eine Stunde später bin ich bereits im Wandergebiet von Adelboden. Die Anfahrt war wunderbar....lockeres den Berg hochschwingen. Kaum noch ein Motorradfahrer, keine Velofahrer, nur sehr wenige Autos - kein Wunder, Adelboden liegt geografisch gesehen in einer Sackgasse.  Doch mein Ziel ist nicht Adelboden, sondern die Engstligenalp. Hier ein Luftfoto. Gut zu erkennen ist darauf, die starke Stufe, die die Alp von dem Rest von Adelboden trennt (Schatten). Man wandert da entweder hoch - oder man nimmt die Bahn.

Engstligenalp 

 

Bei der Talstation der Engstligenalp-Bahn mache ich Halt. Hier geht es nicht mehr weiter, hier muss ich die GTR schweren Herzens zurücklassen. Die Motorradhose wird in den linken Koffer gestopft, die Motorradjacke in den rechten. 

motorradjacke gtr 

Der Helm will ich ebenfalls nicht mitnehmen, er wird mit einem kleinen Kabelschloss an die Soziushaltegriffe gekettet:

helm ixs 

Um die Schuhe muss ich mich nicht kümmern. Denn mit den Wanderschuhen lässt es sich zur Not auch Motorradfahren. Und los geht's: für gerade einmal 7 Franken (nur mit Halbtax) geht es per Seilbahn auf die Engstligenalp.  Wunderbar. Und von dort dann zweieinhalb Stunden lang den Berg hoch. Wunderbar. Und ein Restaurant mit bester Verpflegung hatte da oben auch noch. Wunderbar.

Und die dicke GTR? Die hat leider die dicke Lena verpasst. Gerne hätte ich die beiden miteinander bekannt gemacht. Aber das hätte ja doch nur Verständigungsschwierigkeiten gegeben:

kuh engstligenalp 

P.S.: Ein Bekannter erzählte mir am Abend, er sei mit dem Töff über den Susten gefahren und in Wassen voll in den Gotthardstau reingekommen. Klar, wenn das Tunnel verstopft ist, weichen all die genervten Südfahrer auf den Pass aus. Nein, da war das Wandern viel, viel besser....


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