17.7.2008

GTR erwehrt sich der Strassen-Rüppel

Von föfö um 15:57 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 Die Halbstarken bleiben unter sich. Die GTR nimmt's gelassen:

GTR - Speed Triple - CB 1000 R

  • Name föfö
  • Datum 17. Juli 2008
  • Ort Bern-Umgebung von Schwarzenburg-Bern
  • Kilometer  rund 100
  • Kilometer Total knapp gegen 14'000 km
  • Durchschnittsverbrauch   nicht geachtet
  • Besonderes: GTR muss sich mit Streetfightern herumplagen

Grösser könnten die Unterschiede wohl kaum sein: auf der einen Seite die Grand Dame, die Kawasaki 1400GTR. Über 300 Kilogramm schwer, unhandlich im Schiebebetrieb, ohne grosses Showpotential, dafür perfekt in Sachen Langstreckenkomfort und Gepäcktauglichkeit - und auf der anderen Seite die zwei Rüppel Triumph Speed Triple 1050 und Honda CB 1000 R. Nackt, ohne jeglichen Komfort. Kaum Möglichkeiten für Gepäck. Kaum Soziuskomfort. Dafür mit hohem Spassfaktor/Showfaktor.

Vergangenen Dienstag war es soweit: die GTR musste mit den zwei Halbstarken ausrücken zum Fotoshooting in der Umgebung von Schwarzenburg. Klar vermochte sie den Spassmaschinen nicht immer zu folgen....dafür punktete sie anderswo. Wo hin mit dem Fotozubehör? Natürlich in die GTR. Wo hin mit der Wasserflasche, dem Rucksack? Natürlich in die GTR. Und als bei den Halbstarken nach einer halben Tag Fahrt schon die Reserveleuchten angingen, hatte die GTR noch reichlich vom Brennsaft zwischen ihren Schenkeln. Dafür wheelten die anderen dann auch schöner:

wheelie cb 1000 r + triumph Speed Triple 1050 

Bescheiden steht die GTR am Strassenrand und bietet ihre Koffer an. Was da wohl alles drin ist? Ja, die Koffer bergen so manchens Geheimnis. Kürzlich entdeckte ich sogar ein Paar fremde Hosen da drin...

gtr am strassenrand 

Übrigens: über die Fahrkünste der beiden Rüppel Street Triple / CB 1000 R gibts mehr im Heft 15 von MOTO SPORT SCHWEIZ nachzulesen. Diesen Vergleichstest wird es Online nicht zu lesen geben (also Run an den Kiosk). Den Einzeltest zur neuen Honda CB 1000 R lest ihr hier. Den zur neuen (Update) Triumph Speed Triple 1050 lest ihr hier. Wer Lust hat, die Honda CB 1000 R zu gewinnen, macht hier mit.


14.7.2008

Zwischenresultat: sie läuft und läuft

Von föfö um 10:10 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 

  • Name Daniel Riesen
  • Datum 10. Juli 2008
  • Ort
  • Kilometer
  • Kilometer Total über 13'000 km
  • Durchschnittsverbrauch
  • Besonderes: am Sonntag: sie läuft und läuft
Zwischenresultat aus dem Dauertest der Kawasaki 1400GTR

 
In aller Welt Von Anfang März bis Ende Juni ist unsere Saisontestmaschine, die Kawasaki 1400 GTR, schon ganz schön rumgekommen. Die 13000-km-Marke wurde noch vor Jahresmitte überschritten, und das (nicht ganz unerwartet) Erfreuliche dabei: Der Muskel-Tourer, das Komfort-Schnellboot oder wie wir die GTR auch immer nennen, zeigt im Dauereinsatz keine Macken. Die einzigen Werkstattaufenthalte genoss sie für den kleinen 6000er- und den schon etwas grösseren 12 000er-Service.

Mächtig Vorschub

Unterwegs auf Tour macht die GTR trotz ihres stattlichen Gewichts richtig Laune. So komfortabel sie auch ist, wer den Gashahn spannt, erntet mächtig Vorschub. Dabei läuft der riesige Vierzylinder superkultiviert, bei Tourismus-Drehzahlen beinahe unbemerkt. Die massiven Kraftreserven erlauben einen ultralang übersetzten 6. Gang (Overdrive), der bei 4000/min die Grenzen der helvetischen Legalität schon sprengt (etwa 138 auf dem Tacho)! Erstaunlich allerdings, dass die GTR trotz so viel Kubik und variabler Nockenwellensteuerung unter 4000/min etwas matt bleibt. In Spitzkehren bleibt nur der 1. Gang, will man am Kurvenausgang mit vielleicht 3000/min keine Wartesekunde erdulden müssen.

Wenn gewünscht: wenig Verbrauch

Womöglich dient die variable Einlassnockenwelle auch eher dem Energiesparen. Auch bei forcierter Fahrweise begnügt sich der grossvolumige Vierzylinder mit kaum mehr als 6 l pro 100 km. Zwingen die Umstände zu extrem tugendvollem Tun, wie z.  B. Norwegens Vorschriften, Kontrollen und Bussen, gelingt es gar, die GTR mit 4,5 l zu bewegen.

Viel Komfort

Die Kawasaki 1400 GTR ist ja eine wahrhaft mächtige Erscheinung, sodass sie der Testchef öfter als grauen Panzer verbal liebkost. Vom Kommandopult aus wirkt der Töff viel zugänglicher, wohl vor allem wegen der gar nicht so tourenmässigen Sitzposition. So macht bei allem Komfort sportliches Fahren Spass. Die GTR geht leicht ums Eck und liegt, richtig besohlt (davon mehr in der grossen Saisontest-Bilanz im Herbst), neutral und fährt zielgenau. Die Angstnippel an den Rasten sind inzwischen gut angeschliffen, obgleich die Schräglagenfreiheit durchaus ordentlich ist. Ausstehend ist die Prüfung auf Hochgeschwindigkeitsstabilität, aber schliesslich ist ja auch erst Saisonmitte.

Welche Scheibe?

Seit dem zweiten Service ist die GTR mit der höheren und breiteren Zubehör-Windschutzscheibe ausgerüstet. Für den klitzekleinen Testchef passt diese Scheibe deutlich besser, auch wenn bei voll ausgefahrenem Schild ein Druck von hinten entsteht. Der lange Internet-Mann und Touren-Fan Michi Föhn hingegen schwört auf die kleinere Scheibe. Verkehrte Welt! Und ziemlich spannend.

Keyless-System funktioniert einwandfrei

Gab uns am Anfang am meisten zu Denken: ein Keyless-System fürs Motorrad? Und fielen gleich dutzende von Fällen ein, die schiefgehen könnten: Schlüsselbatterie am Ende, Service, Motorradklau vor der Beiz oder auf dem Campingplatz, Funkstörung durch andere Signale etc. Davon ist gar nichts eingetroffen. Das Keyless-System funktioniert einwandfrei: dazu wird der Transponder (das kleine, schwarze Kästchen auf dem Foto) einfach in die Motorrad-Jackentasche gesteckt - fertig.

 gtr keyless-system

Sobald man sich dem Motorrad nun näher, erkennt die GTR das Transponder-Signal aus der Jackentasche - und gibt das Motorrad frei.  Kein lästiges Schlüssel-Aus-Einpacken mehr, kein Schlüssel mehr in die Zündbuchse stecken...und das Beste: so vergisst man garantiert keinen Zündschlüssel mehr in der Zündbuchse des Motorrads (passiert wohl nicht nur uns).

Einziger Wermutstropfen: wer an die Seitenkoffer will, muss den Transponder aus der Tasche nehmen und einen kleinen Zusatzschlüssel (siehe Foto) abziehen, um mit diesem die Koffer zu öffnen. Unser Wunsch: Warum nicht in die Koffer ein wenig Technik integrieren und die Koffer freigeben, sobald der Transponder in die Nähe der Koffer kommt? Oder wäre das schon ein wenig zuviel Technik?

 

 


07.7.2008

GTR an Blutspendeaktion

Von föfö um 08:41 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name Markus Schmid / Tobias Kloetzli
  • Datum 07. Juli 2008
  • Ort Bern-Glaubenberg-Bern
  • Kilometer Trip 250 km
  • Kilometer Total über 13'000 km
  • Durchschnittsverbrauch nicht geachtet
  • Besonderes: am Sonntag: Regen, Regen, Regen..

Das untenstehende Foto zeigt den aktuellen MSS-Fuhrpark an:

Kawasaki 1400GTR (im Dauertest), Suzuki GSX-R 750 (im Test), Triumph Speed Triple (im Test), BMW R 80 GS (private Maschine von Fränzi Göggel und Front-Maschine der letzten MSS-Titelseite - Reise nach Albanien). 

An der 25ten Töff-Fahrer Blutspendeaktion auf dem Glaubenberg beteiligten sich 705 Blutspender. MOTO SPORT SCHWEIZ hoffte auf fast 1000 Spender - doch leider kam es am Sonntag noch im Verlaufe des Morgens zu schweren Regenfällen...worauf der Strom an spendewilligen Motorradfahrer augenblicklich versiegte. Schade. Trotzdem sind 705 Spender ein Super-Ergebnis. Herzlichen Dank an alle Spender!

GTR auf Glaubenberg 


04.7.2008

Video zur GTR

Von föfö um 16:41 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

03.7.2008

GTR - das Transportfahrzeug

Von föfö um 18:04 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 

 Ducati 848, gsxr-r 750, 1400gtr

 

  • Name föfö
  • Datum 01. Juli 2008
  • Ort Bern-Jura-Bern
  • Kilometer Trip 120 km
  • Kilometer Total über 13'000 km
  • Durchschnittsverbrauch hoch (Ducati 848- / Suzuki GSX-R 750-Tempo versucht einzuhalten)
  • Besonderes; extreme Hitze

An diesem Tag stehen die Fotofahrten für den Vergleichstest Ducati 848 / Suzuki GSX-R 750 an. Unsere Dauertest-GTR muss als Fotofahrzeug herhalten. Will heissen: hinter den beiden Sportskanonen herfahren und diese beim Kurvenkratzen fotografieren.

Super:

  • die grossen Koffer. Auf die rechte Seite kommt Verpflegung und mehrere Wasserflaschen (beim Temperaturen um die 30 Grad braucht es die einfach), auf die linke Seite kommt das ganze Fotozubehör.
  • Die Agilität der GTR. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass sie sich Drezahlmässig nicht wirklich wie ein Tourer verhält. Also donnere ich hinter den zwei schnellen Sportlern hinterher - und zwar zumeist im zweiten oder dritten Gang. Nur so ist gewährleistet, dass ich auf der 320 Kilogramm schweren GTR einigermassen Schritt halten kann (würden die anderen allerdings echt aufdrehen, sähe ich kein Land mehr...) Aber ich werde nicht müde, das erstklassige Fahrwerk und die tollen ABS-Bremsen der GTR zu rühmen...manch ein anderer Tourer ginge bei so einer Wetztour bald auf den "Stümpen"...

Weniger gut:

  • die neue Verkleidungsscheibe (sie wurde ja getauscht gegen die orginale Scheibe, siehe Text weiter unten). Die Zubehörscheibe ist nichts für grossgewachsene Fahrer, das merke ich erneut auf der Autobahn in Richtung Freiburg. Dänu allerdings weiss zu berichten, dass ihm die Zubehörscheibe deutlich besser passt. Mehr dazu wird er in einem eigenen Blog darleben.
  • Die Abwärme des Motors macht mir erneut zu schaffen. Es heizt da zwischen dem Tank und der Verkleidung hervor...und bei über 30 Grad im Schatten ist das alles andere als angenehm. Ich löse das Problem zum grössten Teil, indem ich ständig meine Oberschenkel etwas vom Tank abdrücke - so kann die Luft besser zirkulieren und es fährt sich deutlich angenehmer.

 


25.6.2008

GTR nach dem 12'000er-Service

Von föfö um 10:28 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name föfö
  • Datum 25. Juni 2008
  • Ort Safenwil-Bern
  • Kilometer Trip 80 km
  • Kilometer Total 12'100 km
  • Durchschnittsverbrauch nicht geachtet
  • Besonderes GTR nach dem 12'00er-Service wieder abgeholt, neu eine höhere Verkleidungsscheibe eingesetzt

 


Am Montag ging es mit der Kawasaki 1400GTR nach Safenwil zum Service. Weil dieser ein paar Stunden dauerte, bekamen wir für die Rückfahrt eine Ersatzmaschine. Eine Kawasaki ER-6f:

Kawasaki ER-6f

 

Eine quirlige Maschine mit guten Fahrleistungen, wenig Verbrauch, günstigem Preis, etwas gar gedämpftem Sound und einem voll Einsteigertauglichen Handling. Nur: diese Farbe! Bei einer auf Angriff programmierten Ninja verzeihe ich das grelle Grün noch...aber bei der ER-6...auf jeden Fall war ich froh, wieder unsere dezentere GTR in Empfang zu nehmen.

Bei Kawasaki Schweiz in Safenwil gab es für die GTR einen grossen Service (der 6000er ist bei der GTR der kleine, der 12'000er der grosse Service). Ausserdem wurde der von einem Nagel durchbohrte Hinterreifen ersetzt. Da der aufgezogene Michelin Pilot Road II nach rund 6500-7000 Kilometern immer noch für einige tausend Kilometer Fahrleistung gut ist, wurde der Vorderreifen nicht gewechselt.

Laut Kawasaki wurden im Service nur die üblichen Arbeiten gemacht - kein Teil zeigte erhöhten Verschleiss. Einzige Ausnahme: der Luftfilter. Er wäre beim 12'000er-Service laut Serviceplan noch nicht fällig gewesen, doch er war derart verschmutzt, dass er ausgewechselt werden musste. Vermutung: beim Trip durch Norwegen ging es mehrere Male über sehr staubige Strassen (einmal gar 20 km über eine Staub-/Schotterpiste) - dies scheint den Luftfilter der GTR übermässig strapaziert zu haben.

Ausserdem ganz neu: eine breitere und höhere Verkleidungsscheibe. Diese kann direkt ab Kawasaki-Händler als offizielles Zubehör gekauft werden. Aus dem Produktebeschrieb von Kawasaki:

"HÖHERE WINDSCHUTZSCHEIBE
Etwa 70 mm höher als eine Standardscheibe mit einer insgesamt 22 % größeren Oberfläche für noch mehr Windschutz, Komfort und eine verbesserte Fahrdynamik! Die Scheibe besteht aus 5 mm Polykarbonat mit einer Quantum®[Kratzschutz]-Beschichtung. Die hohe Windschutzscheibe wird mit ABE geliefert. "

Die höhere Scheibe kostet 269 Franken.

Hier die Fotos:

Die orginale Scheibe links, die breitere und höhere Zubehörscheibe rechts (Fotos zur dahinterstehenden Sugi GSX-r 750 findet ihr übrigens hier:

scheibe 1400gtr orginal scheibe gtr zubehör

Und wie wirkt sie? Ich (1.88 Meter gross) fuhr damit auf der Landstrasse und schnell auf der Autobahn. Und ich befand die Zubehörscheibe bei allen Gelegenheiten als lärmig, mit Verwirbelungen am Oberkörper und in der Helmregion. Egal, wie hoch oder tief ich die Zubehörscheibe stellte - sie war deutlich schlechter als das Orginal.

Ich kann also allen grossgewachsenen GTR-Fahrern die Zubehörscheibe auf keinen Fall empfehlen - die Orginalscheibe schützt deutlich besser und braucht deshalb nicht gewechselt zu werden. Dänu Riesen (1.68 Meter) wird die GTR am Wochenende testen und an dieser Stelle sagen, wie er die neue Scheibe fand....

 

 


23.6.2008

GTR im 12'000er-Service

Von föfö um 13:52 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name: föfö
  • Datum: 23 Juni
  • Ort: Bern-Safenwil
  • Kilometer: circa 100 km
  • Kilometert total: über 12'000 km
  • Bemerkung: mit der letzten Luft nach Safenwil

Beinahe eine Woche lang musste unsere Dauertestmaschine, die Kawasaki 1400GTR nun untätig herumstehen. Grund: sie hatte im hinteren Reifen einen Nagel stecken - und damit fährt es sich nun mal nicht sehr sicher.

Heute morgen haben wir sie nach Safenwil zum 12'000er-Service zurückgefahren. Schon bei der MSS-Garagenausfahrt ging dann wie vermutet das rote Warnlicht an, und im Display erschien die Meldung: ACHTUNG - REIFENDRUCK PRÜFEN! Gleichzeitig ermittelte der Reifendrucksensor die Bar-Zahl im Reifen. Vorne 2.9 Bar - das ist ok. Hinten 1.6 Bar. Das ist nicht ok. 3.0 Bar sollten es sein....der Nagel im Reifen führt also zu schleichendem Luftverlust. Daher wurde gleich die nächste Tankstelle angefahren, um notfallmässig wieder 3 Bar in den Reifen zu bekommen.

Kawasaki Schweiz wird neben einem kompletten Service der GTR auch den neuen Hinterrradreifen aufziehen. Der Michelin Pilot Road II hat sich nämlich auf der GTR bisher bestens bewährt: viel Grip, im Nassen wie Trockenen, gute Laufleistungen...

Auch über die Kawasaki 1400GTR können wir nicht meckern: 12'000 Kilometer gelaufen - und nicht den geringsten Aussetzer. Keine Batterieprobleme, nichts wackelt, kein Öl musste ausserplanmässig eingefüllt werden. Ausser Benzin (auch der Verbrauch hat sich bei 5.5 Litern eingependelt - aus guter Wert für so ein leistungsstarkes, schweres Motorrad) einfüllen brauchte die GTR also keine zusätzlichen Streicheleinheiten.

Wir wollen hier auch noch etwas erwähnen, das man ansonsten nicht so beachtet: die Lackqualität. Sie ist bei der GTR hervorragend. 12'000 Kilometer - und noch immer ist auf dem Lack kaum eine Abnützung zu sehen. Normalerweise kommt es - wird ein Motorrad viel gefahren - auf dem Tank im Bereich der ständig eng anliegenden Oberschenkeln zu leicht verwischten Spuren auf dem Lack, bei ganz schlechten Lackqualitäten kann es sogar zum Abblättern kommen. Der GTR-Lack higeegen ist beinahe noch so jungfräulich wie am ersten Tag.

Was Kawasaki Schweiz an der GTR im Service genau gemacht hat, lest ihr an dieser Stelle in wenigen Tagen...


20.6.2008

GTR fährt sich Nagel ein

Von föfö um 15:41 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]

 

  • Name: föfö
  • Datum: 11 Juni
  • Ort: Dänemark/Norddeutschland
  • Kilometert otal: beinahe 12'000 km
  • Bemerkung: was werfen die Leute bloss für Schrott auf die Strasse!

 

Wann es genau passiert ist, lässt sich am Nachhinein nicht mehr erruieren. Tatsache ist: die GTR verliert während der Fahrt durch Dänemark/Norddeutschland auf einmal leicht Luft. 3 Bar sollte sie vorne und hinten haben - doch der Reifenluftdrucksensor der GTR zeigt hinten nur 2.7 Bar an. Zuerst denke ich an ein Fehlfunktion des Reifendrucksensor...doch irgendwann schaue ich dann doch nach. Sapperlot!! Da steht dieses Teil im Reifen drin:

nagel im reifen 

Vermutlich die Spitze eines Nagels, das Endstück einer Schraube oder sonst ein sehr spitziges Metallteil. Verflixt!

Rausziehen? Auf keinen Fall. Das kann dann zum kompletten Druckverlust führen. Also wird die GTR behutsam auf den Zug verladen und in die Schweiz gekarrt.

Immerhin haben wir den Nagel zum richtigen Zeitpunkt eingefahren: Die GTR hat nun um die 11'990 Kilometer auf der Uhr und muss zum vorgeschriebenen Service. Da kann der Hinterradpneu gleich gewechselt werden. Doch welcher Reif? Ein andere Marke? Muss nicht unbedingt sein....rund 6500 Kilometer hat der Testpneu Michelin Pilot Road II auf der Kawasaki 1400GTR abgespult - ohne jegliche Beanstandung. Der Reifen harmoniert wunderbar mit der schweren GTR. Gibt Grip im Nassen und Trockenen, im kalten wie im warmen Wetter. Und bringt Laufleistung: beide Reifen sind für mindestens weitere 3000 Kilometer gut. Also wird nur der Hinterradreifen gewechselt...

 

 


Von Voss nach Kristiansand

Von föfö um 14:09 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name: föfö
  • Datum: 09 Juni
  • Ort: Voss-Granvin-Brimnes-Odda-Skare-Olen-Ropeid- Sauda-Roldal-Edland-Rjukan-Tinnoset-Amli-Kristiansand
  • Kilometer: rund 900 km (mit Umwegen)
  • Durchschnittsverbrauch: sehr gering - um 4.8 Liter (in Norwegen fährt man noch langsamer als in Schweden...auch wenn das eigentlich schon gar nicht mehr geht...)
  • Bemerkung: Fährt man Nebenstrecken, hat es unter Umständen gar keinen Verkehr mehr...

karte norwegen

 

Norwegen ist unglaublich reich an Wasser - und aufgrund der erst kürzlich passierten Vergletscherung (naja, ein paar hundertausend Jahre sind schon...) mit massiven Höhenunterschieden ausgestattet. Infolgedessen gibt es in Norwegen sehr eindrückliche Wasserfälle:

wasserfall

Bleiben wir generell beim Wasser: Norwegen hat natürlich auch Meerwasser im Überfluss, der warme Golfstrom ist ja der Grund, warum in Norwegen das Klima so mild ist (Grönland und Alaska liegen ja Breitengradsmässig gleichauf - aber dort ist's deutlich kühler). Infolgedessen hat Norwegen eine lange Fischertradition. Und die versucht man auch den norwegischen Kindern weiterzugeben.

In einem kleinen Ort am Storfjorden nehme ich dann teil an einer Fischlehrstunde des örtlichen Fischers für die Schulkinder des Ortes. Als Tourist schmuggelte ich mich in die Kinder-Gruppe (ein 1.9 Meter-Motorradfahrer fällt ja nicht weiter auf) ein und fotografierte mit den Teens den Fang der Nacht: Aale, Tintenfische, Raubfische, Krustentiere. Unglaublich, was die Norweger da alles im Fjord rumschwimmen haben. In den Restaurants gibt es die Viecher fangfrisch zu Essen. Leider zu sehr hohen Preisen.

Languste

Wunderschön, das Biken dann entlang der Westküste Norwegens. Nur wenig befahrene Strassen in grandioser Landschaft. So gefällt es uns Bikern.

Und schaut euch einmal diese Bilderbuchlandschaft an! Macht das nicht Lust darauf, gleich das Bike zu packen und Loszufahren?

Der Latefossen hinter Odda ist dann allerdings kein zufälliger Spot - sondern eher ein Touristenmagnet erster Klasse. Gigantisch, die Wassermassen, die da Tag für Tag, Woche für Woche herunterklatschen.

latefossen

Weil ich massig Zeit habe, mache ich noch einen kurzen Ausflug in Richtung Haugesund. Der kurze Ausflug (auf der Karte sahs danach aus) entpuppt sich als Riesentrip: beinahe einen ganzen Tag dauert die Fahrt. Hinter Sauda führt ein winziges Strässchen den Berg hoch. Ich fahre. Und fahre. Und fahre...und komme doch nicht an. Andere Autos? Fehlanzeige. Hinter Sauda überholte ich mal einen...danach kam nichts mehr....

Auf dem Pässchen, das auf meiner Norwegenkarte gar nicht eingezeichnet ist, mache ich Halt. Wunderbar diese ehemalige Gletscherlandschaft. Wenn man in Norwegen von Natur spricht - dann stimmt das wirklich noch....

Völlig kaputt komme ich am Abend auf einem Campingplatz bei Edland an. Und das Zelt sollte auch noch aufgebaut werden...

edland

Für diese seltsame Form des Hunde-Parkings habe ich dann doch noch ein Auge: Da haben es unsere Schweizer Hunde ja direkt noch gut..

hundeparking

Der nächste Tag. Der Abstecher nach Rjukan muss nicht unbedingt sein. Aber ich will noch die Stätte sehen, an der es den Deutschen im Zweiten Weltkrieg beinahe gelang, die Zutaten zu einer Atombombe zusammenzubekommen. In einem Kraftwerk, 5 Kilometer ausserhalb der Industriestadt Rjukan gelang es den Norwegern nämlich schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, Schweres Wasser (Deuteriumoxid) herzustellen. Die Nazis übernahmen nach dem Überfall auf Norwegen die Fabrik und vergrösserten die Herstellung des Schweren Wassers (auf Wikipedia gibts die Erklärungen dazu) massiv. Was natürlich den Allierten nicht gefiel - sie hegten den Verdacht, dass die Nazis damit eine Atombombe bauen könnten.

Also bombardierten sie die Schwere Wasser-Fabrik erstmals. Das half wenig, die Produktion ging weiter. In der Folge wurde ein Agentteam abgesetzt, das zusammen mit norwegischen Saboteuren einen Teil der Fabrik sprengte. Das half: die Deutschen bekamen es mit der Angst zu tun und verluden die ganze bisherige Produktion auf Züge, um sie nach Deutschland zu befördern. Hier im Bild die ehemalige Schwere Wasser-Fabrik von oben. Heute ist es ein Museum und ein ganz normales Kraftwerksgebäude:

norsk hydro rjukan schweres wasser

Doch die Deutschen hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: den Norwegischen Saboteuren gelang es nämlich, eine Bombe auf die Fähre zu schmuggeln, die die Fässer über den See Tinnjo schippern sollte (damals existierte noch keine Strasse entlang dem Ufer des Sees wie heute). Die Fähre explodierte und Deutschland Atombombenhoffnung versank auf den Grund des Sees.

60 Jahre später stelle ich die GTR am Ufer des Sees Tinnjo ab. Die Fähre im Hintergrund des Fotos muss ein Nachkommen der untergegangen Fähre sein...und da wie gesagt, eine Strasse neu am Ufer gebaut wurde, braucht es die Fähre irgendwie auch nicht mehr so richtig...

see tinnsjo fähre

Die anschliessende Fahrt Richtung Kristiansand an Norwegens Südküste dann ist Routine: zwischen sanften Hügeln und blauen Seen geht es ganz an die Südspitze Norwegens. Das Fährterminal ist schnell gefunden...und ich reihe mich mit der GTR in die Bikerwarteschlange fürs Fährschiff ein:

kristiansand

Fliessbandbetrieb dann auf der Fähre: Einparken, Spanngurte rechts und links. Fertig. Norwegen Ade...

fähre motorrad

 


Von Isfjorden nach Flam

Von föfö um 08:54 [ MSS-Dauertest Kawasaki 1400GTR ]
  • Name: föfö
  • Datum: 8 Juni
  • Ort: Isfjorden (Andalsnes)-Tresfjord-Stordal-Stranda-Stryn-Skei-Forde-Vadheim-Balestrand-Hella-Sogndalsford-Sognefjell (und retour) Revsnes-Laerdal-Borlaug-Breistolen-Gol-Torpo-Storestolen-Aurland-Flam
  • Kilometer: rund 950 km (mit Umwegen)
  • Durchschnittsverbrauch: sehr gering - um 4.8 Liter (in Norwegen fährt man noch langsamer als in Schweden...auch wenn das eigentlich schon gar nicht mehr geht...)
  • Bemerkung: Das schöne Wetter verfolgt mich in jeden Fjord hinein: 30 Grad jeden Tag...


karte norwegen

Das schöne Wetter hält gnadenlos an - die Sonne brennt vom Himmel und das Quecksilber erreicht jeden Tag um die 30 Grad. Was mich vor eine völlig untypische Situation stellt: ich habe mit Temperaturen um die 11 Grad, Nieselregen und bewölktem Himmel gerechnet - und dann das! In Mitteleuropa (sprich Schweiz) regnet es - soviel erzählt jedenfalls der Wetterbericht. Und hier in Norwegen knall die Sonne vom Himmel. Verkehrte Welt!

Das Regenkombi, die langen Unterhosen und die warmen Handschuhe habe ich ganz nach unten in die Koffer gesteckt - nun brauche ich Platz für die zahlreichen Wasserflaschen. Drei Liter laufen pro Tag locker durch die durstige Kehle. Und weil an den Tankstellen die Flasche Wasser locker um die 7 Franken kosten kann, fülle ich die Wasserflaschen immer wieder nach.

Es heisst die Gunst der Stunde auszunützen - und die noch relativ kühlen Morgenstunden richtig auszunützen. Hier ein Foto eine Fjordarmes, irgendwo in der Gegend von Stordal.

bei stordal

Obwohl die Temperaturen stark gestiegen sind, ist weiterhin unverkennbar, dass in Norwegen eigentlich immer noch Frühling ist. Man sieht es an diesem Foto: in den Bergen liegt noch eine Menge Schnee - und die Wiesen haben gerade erst zu Blühen begonnen.

wiese

Besonders hübsch die Fahrt über die Berge in Richtung Stranda. Der grosse und lange Storfjorden ist eben eine der schönsten Fjorde Norwegen:

storfjorden

Nach Stranda braucht es nocheinmal ein Schiff - doch dann erreiche ich mit der GTR endlich das hübsche Dörfchen Hellesynt, das sogar mit einem mächtigen Wasserfall aufwarten kann, der mitten durchs Dorf rauscht:

hellesylt

 

Vom Wasserfall, der wohl vom Gletscher- und Schneewasser gespeist wird, geht eine angenehme Kühle aus - das merkt man sogar bis zu 500 Meter Flussabwärts. Jetzt, bei diesen Temperaturen, ist das natürlich eine feine Sache. Ob so ein kühler Wasserfall auch in der kalten Jahreszeit eine feine Sache ist, wollen wir einmal dahingestellt lassen. Von Hellesylt aus fahren übrigens auch Ausflugsschiffe in den engen und steilen Geirangerfjord. Nach Auskunft vieler Reisebücher ein ganz toller Ausflug. Ich lass es bleiben...irgendetwas muss ja auch noch übrigbleiben fürs Pensionsalter...

Ich bummle, habe Zeit. Bei Skei erreiche ich plötzlich eine schöne und gut ausgebaute Strasse. Der folgen wir mal...

bei skei

Doch irgendetwas stimmt nicht...laut meiner Strassenkarte aus dem Jahr 1990 geht die kleine Nebenstrasse nur bis Mundal. Dort ist Schluss, es muss aufs Schiff verladen werden um weiterzukommen. Und laut Karte ist die Fährpassage eine längere und relativ kompliziert. Ideal für Ausflügler - aber nie im Leben die ideale Strecke für grosse Lastwagen. Doch genau die überholen ich nun im Minutentakt. Hmmm...

Doch wir wollen nicht zu tief grübeln und geniessen erst einmal die Aussicht auf einen Seitenarm des Jostedalsbreen, des grössten Norwegischen Gletschers und des Zweitgrössten Gletschers Europas (Island hat noch einen grösseren).

jostedalsbreen

Mächtige Eismassen schieben sich da zu Tal - doch auch dieser Gletscher ist stark am Abschmelzen, die Schwarz-Weiss-Fotos aus den Anfängen des 20sten Jahrhunderts beweisen es. Eine Geschichte am Rande ist noch interessant: vor vielen Jahren krachte anscheinend ein Flugzeug auf diesen Seitenarm des Jostedalsbreen - doch Pilot und Maschine wurden nie gefunden. Die Norweger rechnen nun damit, dass beide eines Tages irgendwo da oben am Rande der Gletscherzunge wieder auftauchen (und auftauen) werden....

Fünf Kilometer weiter unten kapiere ich dann, warum es so viele Brummis auf dieser Strecke hat: ein (mautpflichtiger) Tunnel führt durch den Berg und runter nach Sogndal. Die Strecke kann noch nicht alt sein - auf meiner Karte aus dem Jahre 1990 ist noch nichts eingezeichnet. Was beweist, dass die Norweger ihre Infrastruktur massiv ausbauen. Doch sie wollen dafür auch richtig Geld sehen. Fast 80 Kronen soll ich für den Tunnel abdrücken. 15 Franken um ein paar Kilometer durch ein schwarzes Loch zu fahren? Ohne mich! Ich fahre aussen rum. Das wird mich zwar einen ganzen Tag kosten - aber ich habe ja Zeit.

In Forde wird gecampt, und am nächsten Morgen stehe auch ich dann am Sognefjord. Mit über 200 Kilometern Länge ist er der längste Fjord Europas und gleichzeitig der tiefste: 1300 Meter.

am sognefjord

Bei Balestrand, einem ziemlich mondänen Urlaubsort, braucht es nocheinmals eine Fähre, um auf die andere Seite zu kommen.:

 

Zwar könnte ich nun voll Karache Richtung Laerdal fahren (da will ich schlussendlich eigentlich hin)...doch ich mache den Umweg nach Luster und dann den Berg hoch in Richtung Sognefjell. Diese Passtrasse soll eine der schönsten Norwegens sein - und die wollen wir natürlich nicht verpassen.

Die Fahrt entlang des Sognefjord ist der Genuss pur: grandiose Landschaft, Kurven, Sonne. Ab und zu ein kleiner Halt um ein Motiv zu fotografieren wie dieses weisse Kirchlein. Man beachte auch im Hintergrund den grandiosen Wasserfall:

luster

Doch die Weiterfahrt von Luster zum Ende des Fjords wird zäh. Grund: der norwegische Corvette-Club macht eine Ausfahrt. Nett. Nur dass ihre überbreiten Schlitten auf der engen Strasse kaum passierbar sind. Fünf Minuten lang gondle ich mit 55 km/h auf der 80 km/h-Strecke hinter den Protzerschlitten her...dann reichts. Dritter Gang rein, die GTR heult auf, und wir gehen ans Überholen. Rund 25 Corvettes gibt es zu überholen. Eine nach der anderen wird taxiert, überholt, abgehackt. Manche wehren sich mit Händen und Füssen, überholt zu werden: da hat man 450 PS und wird von so einem Schweizer auf einem Töff mit massig Gepäck überholt....das kann nicht sein! Also machen sie sich extra breit und geben voll Stoff am Anfang jeder Geraden...nützt alles nix...die GTR schnappt sich eine Corvette nach der anderen...und so erreiche ich die Passanfahrt als erster. Gottlob. Denn das Passsträsschen ist noch enger und offeriert kaum Überholmöglichkeiten.

Eine halbe Stunde später stehe ich auf der Hochfläche....und geniesse! Bloss noch 20 Grad war, leichter Wind, Schneeflächen überall..Einöde. Herrlich. Aber es wird langsam Abend...und ich habe Hunger. Also retour. Im kleinen Dörfchen Skjolden finde ich einen netten Campingplatz - gleich zwischen steilen Canyonwänden. Wunderbar:

Am nächsten Morgen geht es retour nach Sogndal, von dort nach Kaupanger und mit der Fähre rüber nach Laerdal. Wäre ein hübsches Örtchen...aber es ist schon wieder so warm, das ich gleich weiter in die Berge will. Bei 30 Grad werden Ortsbesichtigungen in Töffklamotten zur Tortur...

Die Strassen bleiben Kurvig...und gottlob hat es weiterhin wenig Verkehr. So liebe ich und die GTR die Verhältnisse:

Irgendwo in der Gegend von Borgund gibt es dann noch eine der hübschen Stabskirchen zu fotografieren. Diese aus dem 13ten Jahrhundert stammende Kirche ist eine der hübschesten Stabkirchen des Landes und eine der berühmtesten der Welt. Sie ist ganz aus Holz und verfügt über unzählige Dächer:

borgund stabkirche

Wunderbar dann erneut die Fahrt über die Hochflächen des Hemsedalsfjella:

hemsedalfjella

Am Abend erreiche ich dann nach einer langen Fahrt (durch unzählige schlecht beleuchteter und feuchter Tunnels) das kleine Dörfchen Flam. Hübsch ist das Nest und berühmt für die von dort abgehende Eisenbahn (Flamtalbahn). Und einen Campingplatz hätte es auch....nur liegt Flam eingekeilt zwischen den Bergen. Infolgedessen verschindet die Sonne abends schon um 17 Uhr ...und taucht erst am nächsten Morgen spät wieder auf. So will ich nicht Campen...und daher wird bis Voss zum Campingplatz weitergefahren.

 

 


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